Gesundheit : Die Genforscherin

NAME

An der Tür von Young-Ae Lees Arbeitszimmer hängt eine kleine Südkorea-Fahne aus Papier. Eine Aufmerksamkeit einer Kollegin für die Medizinerin, deren Eltern aus dem Gastgeberland der WM stammen. Allerdings interessiert sich Lee nicht für Fußball. „Das ist nur eine Dekoration", sagt sie und lacht.

Young-Ae Lee kam vor 34 Jahren in Berlin zur Welt. Den Großteil ihres Studiums verbrachte sie in Heidelberg und den USA, promoviert wurde sie schließlich an der Freien Universität. Schon seit einigen Jahren arbeitet sie nun in der Kinderklinik der Charité. Den experimentellen Teil ihrer Arbeit erledigt sie aber im Max-Delbrück-Zentrum in Berlin-Buch, wo ihre Forschungsgruppe angesiedelt ist.

Es beginnt in der frühen Kindheit

Die Wissenschaftler wollen herausfinden, welche Gene an der Entstehung von Allergien beteiligt sind. Warum reagieren manche Menschen auf harmlose Stoffe, wie Pollen oder Tierhaare, andere dagegen nicht? Das ist ein Problem, von dem immer mehr Menschen betroffen sind, wie Lee erklärt: „Allergiker durchlaufen oftmals eine Karriere, die in der frühen Kindheit beginnt." Zuerst leiden sie unter Neurodermitis, später kommen Asthma und Heuschnupfen dazu. Und kaum ein Allergiker kommt aus einer Familie, in der er ganz allein betroffen ist. Allergien haben zu etwa 60 Prozent etwas mit Vererbung zu tun, das ist schon seit Jahrzehnten bekannt.

Um die entscheidenden Gene zu entdecken, hat Lee mit ihren Kollegen deshalb 200 Familien untersucht, in denen die Neurodermitis bereits gehäuft aufgetreten war und mindestens zwei Kinder erkrankt waren. Zuerst suchten die Forscher genomweit, inzwischen konzentrieren sie sich vor allem auf das Chromosom 3. Würde es den Medizinern gelingen, die verantwortlichen Gene zu identifizieren, könnten sie erforschen, welche genetischen Veränderungen für die Entstehung von Allergien verantwortlich sind. Ziel ist es, in Zukunft diese molekularen Erkenntnisse dazu zu nutzen, spezifische Behandlung und Präventionskonzepte, etwa Impfungen, zu entwickeln. Das Projekt ist Teil des Nationalen Genomforschungsnetzes und wird hauptsächlich durch Drittmittel finanziert.

Von der Juniorprofessur erwartet Lee vor allem eine Unterstützung ihrer Forschungstätigkeit, die im weltweiten Wettlauf in der Genomforschung helfen könnte. Sie lobt die großzügige Ausstattung und das frühe Übertragen von Eigenverantwortlichkeit durch die Charité. „Dies dient insbesondere der Herausbildung und Schärfung eines eigenen wissenschaftlichen Profils“, sagt Lee. Die Juniorprofessur stärke ihre Position innerhalb ihrer Forschungsverbünde. Denn gerade in der Genomforschung spiele die Vernetzung und Kollaboration eine wesentliche Rolle.

Die Juniorprofessur ist aus Lees Sicht ein sinnvolles Äquivalent der Habilitation, um die Lehrbefugnis an deutschen Hochschulen zu erwerben: „Diese Funktion wird durch die Einbindung der Juniorprofessoren in den Lehrkörper übernommen“, sagt sie. In anderen Ländern hätten sich den Juniorprofessuren vergleichbare Qualifikationen, wie die Assistant-Professur in den USA, in den naturwissenschaftlich und medizinischen Fächern bewährt. Das werde auch im internationalen Vergleich sichtbar. „Daher ist die Einrichtung der Juniorprofessuren ein Schritt in die richtige Richtung“, meint Lee. akü

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben