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Zehn Jahre Historiker-Internetportal

Elke Kimmel

Ganze 70 Zuhörer gab es damals, auf dem Historikertag im September 1996 in München, als eine Gruppe von Berliner Historikern erstmals die Idee für einen regelmäßigen elektronischen Informationsdienst vorstellte. Nur wenige „Computerhistoriker“ konnten sich damals dafür erwärmen. Die Mehrheit hegte Misstrauen gegenüber dem Medium, kaum jemand wusste von dem in den USA bereits sehr erfolgreichen Vorbild „H-Net“.

„Viele etablierte Historiker hielten das Projekt damals für eine Idee wild gewordener Doktoranden“, sagt Initiator Rüdiger Hohls, Leiter des Gebiets Historische Fachinformatik am Institut für Geschichtswissenschaften der Humboldt-Universität. Aber das Internetportal war nach einer kurzen Anlaufphase sehr gefragt. Auf „H-Soz-u-Kult“ – das Akronym steht für „Humanities. Sozial- und Kulturgeschichte“ – erhalten Abonnenten exklusive Rezensionen, nicht selten lange, bevor die gedruckten Medien ein Buch besprechen. Und die Zahl der Teilnehmer steigt: Derzeit bekommen über 13 000 Interessierte täglich bis zu 15 E-Mails mit Rezensionen, Colloquiumsankündigungen und Tagungsberichten. Die Texte stammen von ausgewiesenen Experten, die die ehrenamtlichen Fachredakteure sorgfältig auswählen.

Nicht immer schützt dies vor Skandalen. Das zeigte Anfang des Jahres die Auseinandersetzung zwischen den Antisemitismusforschern Klaus Holz vom Evangelischen Studienwerk Villigst und Lars Rensmann, der damals am Moses-Mendelssohn-Zentrum an der Universität Potsdam lehrte und seit August dieses Jahres eine Professur an der University of Michigan hat. Die beiden Wissenschaftler hatten sich gegenseitig als Antisemiten denunziert – ein Disput, der auch in den Printmedien Niederschlag fand. „Es war natürlich ein Fehler, den ersten Text zu versenden – schon formal entsprach er nicht unseren Kriterien“, sagt Rüdiger Hohls. Er steht dennoch dazu, dass alle Texte zu dem Disput auf der Internetseite H-Soz-u-Kult abrufbar sind. Die Reputation des Forums gründe sich darauf, dass einmal geäußerte Beiträge archiviert und Diskussionen so überprüfbar bleiben.

Die Zentralredaktion von H-Soz-u- kult, die im Hauptgebäude der Humboldt-Uni Unter den Linden sitzt, verfügt durchaus über Macht. So schreibt sie jährlich den Preis „Das Historische Buch“ aus. Verleger bemühen sich sehr um Aufmerksamkeit, gilt der Preis doch branchenintern als echte Verkaufsempfehlung. Und das Tempo, mit dem Neuerscheinungen im Newsletter besprochen werden, hat die gedruckten Fachzeitschriften gezwungen, nachzuziehen. Dem gegenüber steht die „Lage als prekäres Unternehmen“, wie es aus der Redaktion heißt. Noch unterstützt die Deutschen Forschungsgemeinschaft das Projekt im Rahmen des Kooperationsprojektes Clio-online, doch damit ist es in Jahresfrist vorbei. Ob die Humboldt-Universität in vergleichbarer Weise Mittel bereitstellen kann, ist eher ungewiss.

Das Portal im Internet:

http://hsozkult.geschichte.hu-berlin.de

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