DIE Übeltäter : So breiten sich Hefepilze überall im Körper aus

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Kandidose ist oft eine „Krankheit der Kranken“. Zwar trägt eine Mehrheit der Menschen Candida-Pilze in sich, aber nur bei wenigen vermehren sich diese so stark, dass sie Haut und Schleimhäute überwuchern und damit zum Problem werden. Fast immer ist das Immunsystem der Betroffenen stark geschwächt, etwa weil sie sehr alt sind oder unter Diabetes, einer HIV-Infektion oder einer Krebserkrankung leiden. Oder es ist noch gar nicht richtig ausgebildet: Auch bei Babys kommt Pilzbefall häufig vor.

Zur Gruppe der Candida, die Hefepilze sind, gehören über 150 Arten, doch nur knapp ein Dutzend davon ist für den Menschen von Bedeutung. Der mit weitem Abstand häufigste Erreger der Kandidose heißt Candida albicans. „Candida-Pilze sind praktisch überall: auf Oberflächen oder in Nahrungsmitteln wie Säften und Brot“, sagt Viktor Czaika, Dermatologe und Internist am Helios-Klinikum Bad Saarow. Deshalb landen sie bei den meisten Menschen früher oder später im Magendarmtrakt. Dort fühlen sie sich wohl, denn Feuchtigkeit und die Körperkerntemperatur von 36 Grad Celsius bieten den relativ anspruchslosen Pilzen optimale Bedingungen. Sie brauchen wenig Nährstoffe - auch die finden sie in der Magendarmschleimhaut.

„Candida sind nicht besonders aggressiv, so dass sie das intakte Immunsystem normalerweise in Schach halten kann“, sagt Czaika, der vor wenigen Jahren eine neue Candida-Spezies entdeckt hat, die Candida africana. Ist die Abwehr jedoch geschwächt, kann sich der Pilz verbreiten – praktisch über die ganze Haut. Typischerweise zeigt er sich zuerst in Rachen und Mund, erkennbar an einer weißlich-glänzenden Schicht, die sich über die Schleimhäute legt.

Oft tritt der Pilz in Hautfalten auf, weil es auch dort warm und feucht ist. Also etwa unter den Achseln, in der Analregion, bei stark Übergewichtigen in den Bauchfalten. Je wunder die Haut, je aufgeweichter ihre oberste Schicht, desto leichteres Spiel hat der Übeltäter. Auch ein Befall des Genitalbereichs ist möglich, die Kandidose zählt zu den sexuell übertragbaren Krankheiten.

Der Körper versucht nun mit aller Kraft, sich zu wehren. Die Haut rötet und entzündet sich deshalb. Erst diese Abwehrreaktion führt zu Beschwerden wie Juckreiz und Brennen. Eine Kandidose lässt sich meist gut mit Medikamenten behandeln. Salben, die Wirkstoffe gegen die Pilze, aber auch entzündungshemmendes Kortison enthalten, können auf die Haut gegeben werden – solche Kombinationspräparate wirken am besten. Gegen den Pilzbefall im Magendarmtrakt gibt es Tabletten, für den Mund eine Spülung. „Wenn es möglich ist, sollte man vor allem die das Pilzwachstum begünstigenden Umstände korrigieren“, sagt Czaika. Das kann zum Beispiel bedeuten, dass die Diabetes eines Patienten medikamentös besser eingestellt werden muss. Wenn ein dickerer Patient unter Pilzbefall in Hautfalten leidet, kann es sinnvoll sein, statt Polyester- luftigere Baumwollkleidung zu tragen.

Bei extrem immungeschwächten Patienten, besonders Aidskranken, können die Pilze ins Blut übergehen und auch die Organe befallen. Das ist hochgefährlich und kann zum Tod führen.

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