Gesundheit : Die vier Gesichter des Saddam Hussein

Biometrische Analysen zeigen: Der irakische Diktator hat mindestens drei Doppelgänger

Nicola Siegm,-Schultze

Wer ist Saddam Hussein? Seit langem schon kursieren Gerüchte, wonach der irakische Diktator nicht immer „er selbst“ sei. Das kann nun auch die Wissenschaft bestätigen. Wie Dieter Buhmann vom Institut für Rechtsmedizin der Universität Homburg an der Saar mit einer biometrischen Analyse feststellte, hat Saddam mindestens drei Doppelgänger. Als Jörg Haider im Februar den irakischen Staatschef besuchte, hatte er es leider auch nur mit einem Double zu tun.

Im Auftrag des „ZDF Auslandsjournal“ verglich Buhmann 450 Einzelbilder aus 30 Videos, die dem Archiv des Senders entstammten. „Wir haben eine Fernsehaufnahme vom April 1990 zur Verfügung gehabt, in der Hussein eine lange Rede vor der arabischen Liga hält“, sagt Buhmann. „Außerdem hatte ein Auslandskorrspondent des ZDF im Dezember desselben Jahres ein Interview mit Hussein geführt und ist sich absolut sicher, dass er mit dem echten Staatsoberhaupt geredet hatte.“ Weil die Personen in diesen beiden Aufzeichnungen zudem identisch waren, nahm Buhmann sie als Referenz für den echten Saddam Hussein.

Buhmanns Methode wird auch angewendet, wenn in einem Strafprozess über Personengleichheit entschieden werden muss. Der echte Saddam auf dem Bildschirm wird mit Hilfslinien dem Vergleichsbild angeglichen (Abbildung links oben). Anschließend werden mit einer virtuell über dem Gesicht von Hussein liegenden Ebene anatomische Merkmale wie Lidwinkel, Ansatz der Nasenflügel, unterer Rand der Nasenscheidewand, sowie der höchste und tiefste Punkt der Ohren markiert. Diese Punkte werden über das Gesicht der Vergleichsperson gelegt (Abbildung mitte). Bei der vergleichenden Analyse der Fernsehbilder stellte sich heraus, dass sie nicht dieselben Personen zeigten, sondern insgesamt vier verschiedene Menschen (Abbildung unten). „Wenn man die Personen im Fernsehen sieht, unter Umständen nur für kurze Zeit, fallen die Unterschiede nicht auf“, sagt Buhmann. „Aber nach den Analysen sind sie ganz deutlich.“

Hussein lässt sich vermutlich doubeln, um sich vor Attentaten zu schützen. Ein Vorteil ist auch, dass er so fast überall präsent sein kann. Zwischen 1998 und September diesen Jahres war der echte Staatschef offenbar überhaupt nicht mehr auf den Bildschirmen.

Politiker, die hoffen, Osama bin Laden existiere nicht mehr und werde in Fernsehaufnahmen deshalb gedoubelt, muss Buhmann enttäuschen: Bislang handelte es sich immer um dieselbe Person.

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