Dr. Dollas Diagnose (24) : Wie verträgt sich der Ramadan mit Hochleistungssport?

Vor genau einer Woche begann der Ramadan. Die Muslime im Profisport stehen vor einer schweren Entscheidung. Sollen sie konsequent fasten, oder finden sie individuelle Lösungen?

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Sami Khedira ist Moslem, ernährt sich aber auch während des Ramadans nicht anders als sonst. Foto: AFP
Sami Khedira ist Moslem, ernährt sich aber auch während des Ramadans nicht anders als sonst.Foto: AFP

Im Koran heißt es: „Beginnt und beendet das Fasten, wenn ihr die Mondsichel seht.“ Zwischen Sonnenaufgang und Sonnenuntergang darf der Gläubige nicht essen und trinken und auch nicht lügen, fluchen oder böse sein. Was für uns Christen schon schwierig werden kann, ist für einen Leistungssportler fast unmöglich.

Nehmen wir zum Beispiel muslimische Fußballprofis in Deutschland. Diese Sportler brauchen nicht nur eine ausgewogene Ernährung von Kohlehydraten und Eiweißen um Höchstleistung zu erzielen, vielmehr benötigen sie Flüssigkeit, die ausreichend Elektrolyte enthält. Wer viel schwitzt und damit Flüssigkeit verliert, muss diese entsprechend ersetzen. Passiert das nicht, wird nicht nur die Leistungsfähigkeit des Sportlers reduziert. Vielmehr kann es durch den Flüssigkeitsmangel zu Erschöpfung, Schwindel, Kopfschmerzen und zu weiteren Kreislaufbeschwerden kommen. Gesundheitlichen Schäden wären die Folge. Nahrungsergänzungspräparate reichen hier nicht aus. Diese können - wie es der Name schon sagt - die Nahrung nur ergänzen, jedoch nicht ersetzen.

Dr. Thorsten Dolla schreibt regelmäßig für den Tagesspiegel über Sportverletzungen. Foto: promo
Dr. Thorsten Dolla schreibt regelmäßig für den Tagesspiegel über Sportverletzungen.Foto: promo

"Wir brauchen einfach unsere Nahrung und auch unsere Flüssigkeit, um 100 Prozent Leistung geben zu können", sagte unlängst Sami Khedira. Der deutsche Fußball-Nationalspieler hat tunesische Wurzeln. Er sagte, dass letztlich jeder einzelne Athlet für sich zu entscheiden hat, wie er mit der Fastenzeit umgeht.

Für viele Sportler ist es oft eine Entscheidung zwischen eigenem Glauben und eigener Leistungsstärke. Im Koran gibt es aber auch Ausnahmen für Reisende, kranke Menschen, schwangere Frauen, kleine Kinder oder körperlich schwer Arbeitende. Es ist Interpretationssache, ob Fußballprofis körperlich schwer arbeiten. Bereits im vergangenen Jahr hatte sich der Zentralrat der Muslime in Deutschland mit dem Problem beschäftigt und mit der Deutschen Fußball-Liga (DFL) und dem Deutschen Fußball-Bund (DFB) Ausnahmen für muslimische Profis vereinbart.

Um den Ramadan streng einzuhalten und trotzdem Hochleistung zu bringen, müsste das gesamte Trainingsprogramm umgestellt werden. Für viele muslimische Fußballer würde der Arbeitstag sehr früh beginnen. Man könnte am frühen Morgen nach einem sehr zeitigen Frühstück und auch am späten Abend unter Flutlicht trainieren. Nach dem Training würden dann ausreichend Nudeln, Kartoffeln, Fleisch , Fisch oder Gemüse gegessen werden müssen.

Im deutschen Profifußball ist dies auch aufgrund der vorgegebenen Spielzeiten so gut wie unmöglich. Zudem fällt in diesem Jahr der Ramadan in den Sommermonat August (1. bis 29. 8.), die neue Spielzeit in den Profiligen hat gerade begonnen. Der alljährlich wiederkehrende Ramadan bleibt weiterhin eine Gewissensfrage zwischen religiöser Pflicht und sportlicher Leistungsfähigkeit. Es liegt letztlich im Ermessen jedes einzelnen Athleten, für sich eine tragfähige und akzeptable Lösung zu finden.

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