DR. FEGELERS Sorgenkinder : Gewitter im Kopf

Von Dr. Ulrich Fegeler .

Dr. Ulrich Fegeler

Über Epilepsie halten sich hartnäckige Vorurteile: Viele Menschen nehmen sie als rätselhafte Erkrankung wahr und glauben, dass Betroffene auch geistig beeinträchtigt sind. Das ist völlig falsch: Zwar wird sie bei einigen Kindern durch eine Hirnschädigung ausgelöst. Die ist aber entweder angeboren oder erworben, durch Unfälle oder Entzündungen. Solche Schädigungen können zu unterschiedlich ausgeprägten Beeinträchtigungen des Hirns führen, die dann meist das Gesamtbild der Erkrankung prägen. Doch meistens haben die Anfälle nichts mit einer gestörten Hirnleistungsfähigkeit zu tun.

Epilepsie ist die häufigste chronische Erkrankung des Zentralnervensystems. Rund jeder Hundertste hatte mindestens einmal einen epileptischen Anfall, drei von vier Betroffenen schon im Kindes- oder Jugendalter. Viele Mediziner verwenden statt des Begriffs „epileptisch“ die Formulierung „zerebral“ (abgeleitet von cerebrum, dem Gehirn). Das macht deutlich, dass die Anfälle die Folge einer vorübergehend gestörten Hirntätigkeit sind. Sie entstehen, wenn es im Gehirn zu einer übermäßigen elektrischen Entladung der Nervenzellen kommt, zu einem „Gewitter im Kopf“. Ob daraus ein generalisierter Krampfanfall wird oder eine kurzfristige Bewusstseinsstörung, hängt von der Zahl der beteiligten Nervenzellen ab. Bestimmte Formen der Epilepsie sind etwa die sogenannten „Absencen“: Die Patienten verharren einen kurzen Moment – sozusagen wie eingefroren – in einer Bewegung. Und können sich hinterher nicht erinnern.

Epilepsie ist in der Regel gut medikamentös behandelbar. Die Kinder nehmen sie erfahrungsgemäß hin und bleiben recht gelassen. Eltern fragen natürlich nach der Prognose und möglichen Einschränkungen. Ich kann sie meist beruhigen: Die Krankheit verschwindet häufig irgendwann von selbst. Es ist natürlich wichtig, dass die Kinder und Jugendlichen die vom behandelnden Neuropädiater verschriebenen Medikamente korrekt einnehmen. Regelmäßige Hirnstrommessungen können Auskunft geben, ob weiterhin Anfallsbereitschaft besteht. Insgesamt können die Betroffenen ein völlig normales Leben führen, nur bei Sportarten wie Radfahren oder Schwimmen sollte besondere Vorsicht walten – beziehungsweise für eine Begleitung gesorgt sein.

aufgezeichnet von Rita Nikolow

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