Gesundheit : Drei Planeten zum Abendbrot

Der Stern V838 Monocerotis hat offenbar seine Trabanten verschluckt – und war plötzlich die hellste Sonne der Milchstraße

Thomas de Padova

Seit mehr als anderthalb Jahren beschäftigt ein mysteriöser Stern die Astronomen. Bis zum Januar 2002 war er lediglich eine blasse, unscheinbare Sonne am nächtlichen Himmel. Dann fiel dem australischen Amateurastronomen Nicholas Brown beim Blick zum Sternbild Einhorn auf, dass V838 Monocerotis heller und heller und schließlich für kurze Zeit zum hellsten Stern in der gesamten Milchstraße wurde. Bis zum März 2002 registrierten Forscher drei derartige Lichtblitze. Doch sie hatten zunächst keine zufrieden stellende Erklärung dafür, dass der alte Stern plötzlich derart aufleuchtete.

Jetzt haben Alon Retter und Ariel Marom vom Physikalischen Institut der Universität Sydney das Rätsel womöglich gelöst: Der Stern hat sich damals offenbar drei Planeten einverleibt. Alles spreche dafür, dass er innerhalb von nur zwei Monaten drei Himmelskörper von der Größe unseres Jupiters verschluckt habe, schreiben die Wissenschaftler im Fachmagazin „Monthly Notices of the Royal Astronomical Society“.

Bisher haben Astronomen noch nie eine derartige Fressorgie beobachtet. Sie wirft auch ein Licht auf die Zukunft unseres eigenen Sonnensystems: „Wir wissen, dass sich auch unsere Sonne irgendwann bis zur Erdbahn oder sogar bis zum Mars ausdehnen wird“, sagt Axel Quetz vom Max-Planck-Institut für Astronomie in Heidelberg. Merkur und Venus dürften ihr dann mit ziemlicher Sicherheit zum Opfer fallen, vielleicht auch unsere Erde und der Mars.

Die Sonne wird nach einem solchen Mahl allerdings kaum hell aufblitzen. Denn Merkur, Venus oder Erde sind im Vergleich zum Jupiter winzig klein. So passen zum Beispiel rund 1300 Erdbälle in einen Planeten wie Jupiter hinein. Merkur, Venus und Erde bestehen zudem vor allem aus Gestein und sind daher nicht die rechte Nahrung für einen Stern, den die Fusion von Wasserstoff am Leuchten hält.

Ein alter Stern wie V838 Monocerotis – vergleichbar mit unserer Sonne in ein paar Milliarden Jahren – hat seine Vorräte an Wasserstoff im Zentrum beinahe aufgebraucht. Er hat fast sämtlichen Wasserstoff in seinem Innern zu Helium umgewandelt. Der Brennstoff neigt sich nun dem Ende zu. In seinem Kern fusioniert nun Helium zu Kohlenstoff, während sich das Wasserstoffbrennen nur noch in den äußeren Schalen fortsetzt. Das führt dazu, dass sich der Stern auszudehnen beginnt. Er bläht sich langsam zu einem Riesen auf. Seine heiße Atmosphäre kann dann bis zu den ihn umgebenden Planeten heranreichen: Er kann sie verzehren.

Seit einigen Jahren wissen wir, dass viele Sterne sehr große Trabanten haben. 1995 entdeckten die beiden Schweizer Astronomen Michel Mayor und Didier Queloz erstmals einen Planeten außerhalb unseres Sonnensystems. Der Planet ist ein Riese von den Ausmaßen unseres Jupiters, der den Stern 51 Pegasi auf sehr enger Bahn umkreist. Seit dieser Entdeckung wurden etwa 100 weitere solche Gasplaneten gefunden, die kräftig an ihrem Mutterstern zerren und sich durch periodische Schwankungen des Sternenlichts bemerkbar machen.

Einige Sterne haben bis zu drei jupiterähnliche Begleiter in ihrer nächsten Umgebung. Wie stabil die Bahnen solcher Planeten sind, wissen die Forscher bislang nicht. Es könnte durchaus sein, dass die Planeten ihrer Sonne mit der Zeit immer näher kommen.

„Gasriesen wie unser Jupiter bestehen vor allem aus Wasserstoff“, sagt Axel Quetz. Und wenn ein alter Stern einen solchen Planeten verschlucke, dann gewinne er dadurch eine Menge frischen Brennstoff dazu. Die Kernfusion kann plötzlich wieder einsetzen, und der Stern strahlt mit einem Male jede Menge Energie ab: Er wird heller und dehnt sich aus.

Genau dies scheint im Sternbild Einhorn passiert zu sein. Alon Retter und Ariel Marom haben sich die drei Lichtblitze von V838 Monocerotis angeschaut. „Beim Studium der Lichtkurven haben wir festgestellt, dass alle drei einen ähnlichen Verlauf hatten“, sagt Retter. Jedes Mal habe der Stern plötzlich kurz aufgeleuchtet, dann habe die Helligkeit wieder abgenommen, um schließlich noch einmal leicht anzusteigen. „Nur die Stärke der jeweiligen Ereignisse war unterschiedlich.“ Die einzig schlüssige Erklärung hierfür sei, dass der Stern drei Planeten unterschiedlicher Größe gefressen habe.

„Das ist ein schönes Modell“, sagt Quetz. „Es spricht auf den ersten Blick nichts dagegen, dass es sich so abgespielt haben könnte.“ In den kommenden Monaten werden Astronomen V838 Monocerotis weiter im Auge behalten, um herauszufinden, was sich hinter dem bislang noch undurchsichtigen Staubnebel verbirgt.

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