Gesundheit : Ein akademischer Mauerfall

Der Autor

ist Erstsemester in Berlin – und Bachelorstudent Wenn ich bisher an Pioniere dachte, kamen mir zwei völlig gegensätzliche Menschentypen in den Sinn: Zuerst verwegene Kerle wie Galilei oder Gandhi, die ihr Leben aufs Spiel gesetzt haben, um neue Welten aufzureißen. Danach die Jungs und Mädchen von der FDJ. Die hießen zwar Pioniere, haben aber nichts Neues entdeckt. Im Gegenteil, sie mussten alle dieselben bekannten Lieder herunterorgeln.

Jetzt kriege ich plötzlich selbst zu hören: „Sie sind ein Pionier. Sie machen etwas revolutionär Neues.“ Alle Professoren an der Uni sagen das. Und zwar, weil ich Bachelorstudent bin. Für die Dozenten ist die Bacheloreinführung nicht irgendeine Bildungsreform. Sie ist eine Art akademischer Mauerfall. Deutschland öffnet sich der modernen Welt.

Aber bin ich jetzt tatsächlich ein Galilei oder doch eher ein FDJ-Pionier? Gibt es wirklich so viele Unterschiede zum früheren System? Nun, die alten Weisheiten vergehen nicht. Heinrich Heines wunderbare Gedichte sind seit 150 Jahren dieselben, die Demokratie ist weiterhin im antiken Griechenland erfunden worden.

Aber einiges ist doch neu: In einem meiner Seminare sitze ich zusammen mit nur sieben Studenten und dem Professor. Nach allem, was ich vorher über Unis gehört habe, kommt mir das ziemlich revolutionär vor. Außerdem soll ich als angehender Pauker bereits in einem Jahr vor einer Klasse stehen und so etwas wie Unterricht geben. Das geht nur im Bachelorstudiengang. Zugegeben: Ein echter Pionier bin ich damit noch lange nicht. Aber dies alles sind ganz gute Voraussetzungen, um später mal einer zu werden.

Florian Urschel (20) machte 2003 Abitur in Berlin und absolvierte dann seinen Zivildienst. Jetzt studiert er Deutsch und Geschichte an der Freien Universität Berlin – auf Lehramt.

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