Gesundheit : Ein Denkmal fällt in Oberschöneweide

FHTW verzichtet auf Sanierung der Kabelfabrik

Michael Zajonz

Eine Gespensterdebatte: Herbert Grüner, der Präsident der Berliner Fachhochschule für Technik und Wirtschaft (FHTW) trifft sich mit Studenten, die ein Industriedenkmal als neuen Standort des FHTW-Maschinenbaus retten wollen. Grüner aber erklärt gleich zu Beginn, dass sich der Anlass des Treffens erledigt habe. Die 1927/28 von Ernst Ziesel errichtete Fernmeldekabelfabrik auf dem ehemaligen AEG-Gelände in Oberschöneweide „ist nicht mehr zu retten“. Eigentlich sollte dieses Denkmal der Berliner Industriekultur zum Herzstück des neuen FHTW-Campus herausgeputzt werden. Der Fachbereich Maschinenbau wollte in das Gebäude „A 8“ einziehen.

Die größte Fachhochschule in Berlin und den ostdeutschen Bundesländern wird, so die ehrgeizige Planung, bis zum Herbst 2009 mit rund 6000 von 10 000 Studierenden in das historische AEG- Areal an der Wilhelminenhofstraße umziehen. Dank der Zentralisierung in Oberschöneweide und Karlshorst kann man fünf über die Stadt verteilte Standorte aufgeben. In Oberschöneweide sollte – nachdem es dort in den 90er Jahren zu großflächigen Abrissen gekommen war – nun das Erhaltene saniert werden.

Vor wenigen Monaten ergaben jedoch neue Gutachten des mit der Planung betrauten Berliner Architekturbüros Nalbach + Nalbach, dass die Sanierung der Kabelfabrik innerhalb der veranschlagten Gesamtinvestition von 108 Millionen Euro nicht zu machen sei. Die Geschossdecken von „A 8“ sind so stark mit Altöl kontaminiert, dass sie auswechselt werden müssten. Anfang Januar beschloss der Senat, dieses herausragende Beispiel einer kompromisslos modernen Industriearchitektur aus dem Denkmalschutz zu entlassen, abzureißen und durch einen Neubau auf den Fundamenten des Altbaus zu ersetzen. Vier Millionen Euro käme der Neubau billiger.

So blieb der studentischen Initiative gegen den Abriss nur noch, mit einer Podiumsdiskussion etwas Licht in den Nebel von Gutachten, Meinungen und Entscheidungen zu bringen. Vergeblich: Die dicke Luft ließ sich nicht vertreiben, auch wenn Hochschulleitung, der Architekt Gernot Nalbach und Manfred Kühne, Leiter der Obersten Berliner Denkmalbehörde, unisono ihr Bedauern zu Protokoll gaben.

Der Imageschaden für Berlin und die FHTW ist beträchtlich, doch keiner will es gewesen sein. Unverständlich, warum das Gebäude noch vor wenigen Monaten als unbelastet galt, obwohl ein paar Meter weiter kostspielige Altlastensanierungen liefen. Bedauerlich, das sich das Land Berlin und die FHTW unter Zeitdruck setzten: Bis zum 28. Februar musste eine detaillierte Rahmenplanung vorliegen, wenn die FHTW in die diesjährige Förderrunde für das Hochschulbauprogramm des Bundes kommen will. Der Termin wurde nach Auskunft Grüners eingehalten – und damit ist die denkmalgerechte Sanierung von „A 8“ endgültig vom Tisch.

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