Gesundheit : Ein Freund des Knalleffekts

Vor 200 Jahren wurde der Chemiker Justus von Liebig geboren

Gideon Heimann

Er war der Begründer der Agrarchemie, entwickelte Geräte und chemische Verfahren, zog als Professor Studenten aus aller Welt nach Gießen – doch weit bekannt wurde er erst durch sein Porträt auf Dosen mit Fleischbrühe: Der Chemiker Justus von Liebig, der am heutigen Montag vor 200 Jahren in Darmstadt geboren wurde.

Dabei entstand diese Erfindung aus ein paar Handgriffen in der Not: Emma Muspratt, die Tochter eines Sodafabrikanten, der die Liebigs 1854 besuchte, war so schwer an Typhus erkrankt, dass sie keine Nahrung mehr zu sich nahm. Der Chemiker hatte sich schon zuvor mit dem Stoffwechsel beschäftigt und wusste Rat. Er nahm vier Pfund Rindfleisch, hackte es klein, goss Wasser sowie etwas Salzsäure hinzu und kochte das einige Stunden. Den Sud flößte er dem Mädchen ein, das darob zu Kräften kam und genas.

Jahre später meldete sich Georg Giebert bei Liebig, ein Hamburger Kaufmann. Er habe von dem Fleischextrakt gehört und verspreche sich viel von dem Verfahren. Schließlich würden in Uruguay Tausende Rinder nur wegen ihrer Häute geschlachtet, die Kadaver der Verwesung überlassen. Ob man das Fleisch zur Paste verarbeiten könnte?

Es entstanden Fabriken in Südamerika. Die Behälter des Produktes trugen Liebigs Porträt und sind ein frühes Beispiel für eine gelungene Werbestrategie. Denn die 250-Gramm-Dose kostete fünf Mark und ging dennoch weg wie heiße Brühe.

Von größter Bedeutung für die Ernährung der Bevölkerung sollte jedoch Liebigs Arbeit an Düngemitteln werden. Er erkannte viel früher als seine Zeitgenossen, von denen er für seine Ansichten einigen Spott erntete, dass Böden eine Zufuhr von Nährstoffen brauchen, damit sie nicht auslaugen.

Seine Versuche mit dem „Patentdünger“ liefen anfangs zwar in eine falsche Richtung (die Chemikalien waren nicht wasserlöslich), doch sind Liebig wichtige Einsichten zu verdanken: Sein „Gesetz des Minimums“ besagt, dass der Ertrag von der Menge desjenigen Stoffes abhängt, der am wenigsten vorhanden ist. Sprich: Selbst große Mengen an Phosphaten nutzen dem Boden ohne die ausreichende Fracht an Nitraten nichts – alle Pflanzennährstoffe müssen in der Mischung vorhanden sein, um einen Effekt zu erzielen.

Als Sohn eines Drogisten aufgewachsen, kam Justus Liebig sehr früh an Chemikalien heran – sein Berufswunsch stand schnell fest. Mit Knalleffekten hat er immer gern gearbeitet, schon als Kind, als er Silberfulminat (die Wirksubstanz in Knallerbsen) herstellte. Sein scharfer Witz war ebenso effektiv: Als ihn ein Student fragte, ob er denn Knallquecksilber erhalte, wenn er diese Stoffe da verrühre, antwortete Liebig: „Sie nicht mehr.“

Liebig genoss das Wohlwollen der Fürstenhäuser und wurde 1845 geadelt. 1852 zog er nach München, wo er 1873 an einer Lungenentzündung starb.

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