Gesundheit : Ein Gen für gute Stimmung

Forscher entdecken Erbanlage für Serotoninbildung im Kopf

Adelheid Müller-Lissner

Serotonin, bekannt als stimmungsaufhellender Botenstoff im Gehirn, hat im Körper vielfältige Aufgaben. Es hält die Darmmuskulatur in Bewegung und wirkt auf die Blutgefäße. Forscher des Max-Delbrück-Centrums (MDC) um Diego Walther und Michael Bader haben jetzt in Zusammenarbeit mit Pharmakologinnen der Charité und der FU die Entdeckung gemacht, dass für die Bildung des vielseitigen Hormons nicht nur ein einziges Gen zuständig ist. Bei Mäusen hatten sie gezielt das Gen ausgeschaltet, das – wie schon länger bekannt – für die Produktion von Tryptophan-Hydroxylase nötig ist. Das ist das Enzym, das die Serotonin-Bildung ankurbelt.

Erwartungsgemäß konnten diese „Knock- out-Mäuse“ ohne das Enzym kein Serotonin produzieren – aber nur im Darm nicht. Im Gehirn der Versuchstiere wurde der Neurotransmitter trotz der Ausschaltung des Gens weiterhin gebildet, wie die Forscher verblüfft feststellten. Der naheliegende Schluss: die Serotonin-Bildung wird von mehreren Genen gesteuert.

Auf der Suche nach einem weiteren Gen durchforsteten die Wissenschaftler die Humangenom-Datenbank nach DNS-Abschnitten, die dem bereits bekannten „Serotonin-Gen“ ähneln – und wurden auf Chromosom 12 fündig. Ihre Ergebnisse sind in der Fachzeitschrift „Science“ (Band 299, Nr. 5603) veröffentlicht.

Die Erkenntnisse der Grundlagenforscher könnten sich in fernerer Zukunft für die Entwicklung von Medikamenten nutzen lassen, mit deren Hilfe Störungen des Serotoninhaushalts im Gehirn oder im Darm gezielt behandelbar werden. Die an der Studie beteiligte Charité-Pharmakologin Heide Hörtnagl warnt jedoch vor verfrühtem Optimismus: „Das Vorhandensein unterschiedlicher Gene ist noch lange keine Garantie dafür, dass man auch spezifische Arzneistoffe finden wird.“

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