Gesundheit : Einsteins doppelte Party

Nach dem 125. Geburtstag feiern wir 100 Jahre Relativitätstheorie

Thomas de Padova

An diesem Wochenende feiert die Stadt Ulm Albert Einsteins 125. Geburtstag. Kein rundes Jubiläum, aber immerhin erblickte Einstein hier in der Bahnhofstraße B135 am 14. März 1879 das Licht der Welt. „Zum Geborenwerden ist das Haus recht hübsch“, schrieb Einstein später an den Sohn des damaligen Hausbesitzers. „Denn bei dieser Gelegenheit hat man noch keine so großen ästhetischen Bedürfnisse, sondern man brüllt seine Lieben zunächst einmal an, ohne sich viel um Gründe und Umstände zu kümmern.“ Darum kümmert man sich in Ulm nun um so mehr, würdigt den weltberühmten Physiker mit einer wissenschaftlichen Tagung, Einstein-Ausstellungen, einer Einstein-Oper und einem Festakt, an dem auch Bundespräsident Rau teilnimmt.

In Berlin und Brandenburg hätte man durchaus mehr Grund, des Physikers zu gedenken. Hier lag Einstein nicht nur ein paar Monate in der Wiege. Es ist die Region, in die er 1914 übersiedelte und die er erst nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten wie viele andere exzellente Wissenschaftler wieder verließ. Aber abgesehen von dem einen oder anderen Vortrag zu Einsteins Werk bleibt es hier seltsam still.

Es ist die Ruhe vor dem großen Jubiläum, das erst noch ins Haus steht: 2005 werden wir auf 100 Jahre Relativitätstheorie zurückblicken, auf Einsteins „Wunderjahr“, in dem er gleich vier seiner bahnbrechenden physikalischen Arbeiten schrieb. Eine große Ausstellung von März bis September im Berliner Kronprinzenpalais wird dann das Herzstück der Feierlichkeiten sein. Sie wird vom Bundesforschungsministerium großzügig unterstützt. Allein das Land Berlin ist mit der finanziellen Förderung noch hinterher, obschon die Vorbereitung bereits in eine wichtige Phase getreten ist.

Das Einstein-Jahr ist für Berlin und Brandenburg eine große Chance. Berlin war die Wissenschaftsstadt der 20er Jahre. Und Einstein steht wie kein anderer Forscher für diese Zeit, an die das Einstein-Jahr anknüpfen wird, um die Wissenschaft im öffentlichen Bewusstsein stärker zu verankern.

Etliche internationale Wissenschaftsorganisationen stellen sich gemeinsam dieser Aufgabe. Denn auch wenn Einstein ein Garant für ein großes öffentliches Interesse ist, „er steht zugleich für eine der schwierigsten wissenschaftlichen Theorien“, wie Jürgen Renn, Direktor am Berliner Max-Planck-Institut für Wissenschafsgeschichte, in dieser Woche bei einem Vortrag in der Urania unterstrich, einem Ort, den auch Einstein sehr schätzte.

Die Relativitätstheorie hat unsere Vorstellungen von Raum und Zeit zweimal grundlegend verändert: 1905 und 1915. Sie besagt unter anderem, dass bewegte Uhren langsamer gehen oder dass auch Licht eine Masse hat und zum Beispiel im Schwerefeld der Sonne abgelenkt wird. Als der Nachweis dieser Lichtablenkung 1919 gelang, wurde Einstein über Nacht zum Weltstar.

Es wird nicht leicht sein, dem Publikum näher zu bringen, wie Albert Einstein zu diesen Erkenntnissen gelangte. Es wird auch nicht möglich sein, Einstein einfach nach Berlin zurückzuholen. Bei den Einstein-Feierlichkeiten wird man vielmehr reflektieren müssen, wie problematisch Berlins und Deutschlands Verhältnis zu Einstein lange Zeit war.

In Ulm dreht sich in der kommenden Woche bei der Physikertagung vieles um die Quantenphysik, um schwarze Löcher und die dunkle Energie, sprich: um das Fortschreiben von Einsteins Werk in der modernen Wissenschaft. Berlin und Brandenburg werden im kommenden Jahr mit eigenen Akzenten ein noch breiteres Publikum anzusprechen versuchen. Wir dürfen gespannt sein!

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