Ernährung : Die Deutschen sparen beim Essen – ein Fehler

Ärzte, Verbraucherschützer und Gewerkschafter warnen vor achtloser Ernährung

Hannes Heine
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Frittiertes Essen sollte nur in Maßen genossen werden. Foto: dpadpa

Wann sind Ärzte in weißen Kitteln, grüne Verbraucherschützer und Gewerkschafter hinter roten Bannern einer Meinung? Wenn es um die Essgewohnheiten der Deutschen geht.

Der Bundesverband Deutscher Internisten warnt vor zu viel Grillfleisch, schließlich steigern angebratene Steaks das Risiko für die als Adenome bezeichneten Polypen im Dickdarm, die häufig eine Vorstufe für Dickdarmkrebs sind. Und Onkologen – also Krebsspezialisten – werden nicht müde, auf die Gefahren von fettigem Essen hinzuweisen. Der Verbraucherschutzverein Foodwatch wiederum hat frittierte Nahrungsmittel im Visier: Kartoffelchips, Billig-Würstchen und Pommes enthalten Acrylamid, eine gefährliche Verbindung aus der Gruppe der Amide. So gefährlich, dass das Bundesinstitut für Risikobewertung schon vor Jahren vor über Lebensmittel aufgenommenem Acrylamid gewarnt hatte: Wie groß die von Acrylamid ausgehende Gefahr langfristig tatsächlich ist, ist zwar noch nicht endgültig erforscht. Fest aber steht, dass Acrylamid die Haut und Augen reizt. In hoher Dosis ist der Stoff nervenschädigend. Im menschlichen Körper wird Acrylamid in Glycidamid umgewandelt. Dieser Stoff hat sich in Tierversuchen als erbgutschädigend und krebserregend herausgestellt.

Doch selbst diejenigen, die schon erfolgreich wegen Darmkrebs behandelt worden sind, sollten bei den Mahlzeiten aufpassen. US-Wissenschaftler haben in einer Studie herausgefunden, dass sich die Ernährungsgewohnheiten auf den langfristigen Heilungserfolg bei Darmkrebs auswirken. Bei 1000 Patienten, denen ein Darmtumor entfernt worden war, verglichen die Mediziner die Rückfallquote. Fünf Jahre nach der Operation trat bei mehr als 300 dieser Patienten ein neuer Tumor auf. Dabei waren diejenigen, die sich besonders ungünstig ernährten, dreimal stärker vertreten als die, die sich gesund ernährten. Das Ergebnis bestätigt frühere Studien, in denen bestimmte Essgewohnheiten die Entstehung von Darmkrebs begünstigten: Wer viel Billigfleisch, Süßspeisen und Weißbrot zu sich nimmt, ist eher betroffen als Patienten, die Fisch, Gemüse und Vollkornprodukte essen. Expertenfazit: Beim Essen sollte man nicht sparen.

Dabei gelten die Deutschen als besonders preisbewusst. Der Vorsitzende der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten, Franz-Josef Möllenberg, macht immer wieder darauf aufmerksam, dass im Schnitt nirgendwo in Westeuropa so wenig Geld für Lebensmittel ausgegeben werde wie in Deutschland. Ein bundesdeutscher Haushalt gibt demnach nur zwischen zehn und 15 Prozent seines Einkommens für Essen und Getränke aus, in Frankreich und Italien sind es rund 20 Prozent.

Vor allem seit der Wirtschaftskrise haben viele Einzelhandelsketten ihre Waren verbilligt. Für die Gesundheit der Verbraucher sei der Druck zu immer billigeren Lebensmitteln aber verheerend, erklärte Möllenberg. Die Gewerkschaft warnt vor weiteren Gammelfleischskandalen und Käse-Imitat-Funden, schließlich sparten die Firmen durch den Preiskampf bei der Qualität. Die Verbraucher sollten folglich bewusster einkaufen, und sich vor dem Kühlregal selbst ab und zu fragen: Wieso ist dieses oder jenes Produkt eigentlich so billig?

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