Gesundheit : Eröffnung der Hannover Messe: Industrie im Trend

Heiko Schwarzburger

Draußen ragen Kräne bis in den Himmel, schwere Bagger schieben sich langsam an die Stellplätze. In den Hallen summen Motoren und rattern Förderbänder. Vielarmige Roboter zeigen atemberaubende Verrenkungen, wie von Geisterhand geführt, auf den Millimeter genau. Glas, Stahl, Neon: überall blinkt und blitzt es. Alle Exponate sind auf Hochglanz poliert, die Besucher können kommen. Wenn sich am Montagmorgen um 9 Uhr die Messetore öffnen, steht ein wahrer Ansturm ins Haus.

Die New Economy mit ihren digitalen Medien, dem Internet und Mobilfunk steckt mitten in einer Marktkrise. Also ist die gute alte Industrie wieder in. Doch die Neuheiten auf der diesjährigen Hannover Messe beweisen vor allem: Richtig spannend wird es immer dort, wo Ingenieure, Programmierer und Elektroniker Hand in Hand arbeiten. Für die technische Innovation sind Old und New Economy längst eine Zweckehe eingegangen. Kräne und Bagger auf den Freiflächen sind der Blickfang. Aber ihre interessantesten Fortschritte können die Erfinder auf der Hannover Messe nur unter dem Mikroskop zeigen. Nanotechnik heißt das neue Zauberwort. So erlauben es nur wenige Atome dünne Spezialschichten, Werkstoffe für jeden beliebigen Zweck maßzuschneidern. Auch die neuesten Halbleiterchips sind unvorstellbar winzig: Im Vergleich mit einem Millimeter wirken sie wie ein Fußball neben dem Planeten Erde. Der Verein Deutscher Ingenieure zeigt auf der Hannover Messe in seiner "Nanoworld" die ganze Vielfalt dieser Branche. Das Bundesforschungsministerium hat in die Halle 18 ein "Nanohaus" gestellt, in dem 30 Aussteller ihre Ideen an die Frau oder den Mann bringen wollen.

Zweiter Schwerpunkt sind in diesem Jahr alternative und regenerative Energien. Wasserstoff und Brennstoffzellen bleiben auf dem Vormarsch. In Halle 13 zeigt die weltgrößte Leistungsschau dieser jungen Technologie vielfältige Brennstoffzellen: für Einfamilienhäuser, große Fabrikanlagen, Raumschiffe und Fahrzeuge. Die Ingenieure der SGL Carbon AG und der Proton Motor GmbH nutzen sogar eine Brennstoffzelle, um ihren Messestand mit Strom zu versorgen. Das luftgekühlte System mit einer elektrischen Nennleistung von 1,8 Kilowatt erzeugt 230 Volt Wechselspannung, wie aus der Steckdose. Der für die Brennstoffzelle nötige Wasserstoff kommt aus einer handelsüblichen Druckflasche. Als Emissionen entstehen nur warme Luft und Wasser. Und auch die Brennstoffzellen schrumpfen weiter: Forscher des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme (ISE) präsentieren in Halle 18 ein Mikro-Modell. "Das ist eine Premiere. Zum ersten Mal zeigen wir eine voll funktionsfähige Brennstoffzelle, die in das Gehäuse eines Camcorders passt", erklärt Christopher Hebling vom ISE. Solche "Mikro-Brennstoffzellen" lassen sich künftig auch in tragbare CD-Player, Handies oder Notebooks einsetzen. Das ISE entwickelte auch ein Palmtop, der von einer Hochleistungssolarzelle gespeist wird. Dieses Gerät braucht weder Brennstoffzelle, noch Batterie oder Netzanschluss - es zapft die Sonne direkt an. Solarstrom, Brennstoffzellen und Wasserstoffantriebe werden das Thema sein, wenn sich am Dienstag und Mittwoch die Zukunftsbranche auf der Messe zum internationalen Energie-Gipfel versammelt.

Jede Menge Neuheiten zeigen auch andere Industriezweige. So entwickelte das Forschungszentrum Karlsruhe "Fluidaktoren", also kleinste Stellmotoren für Roboter, die eine künstliche Hand fast so beweglich machen wie ihr natürliches Vorbild. Dank der Mikroelektronik lassen sich schnelle Sensoren und Steuerungen mit Motoren zu "intelligenten Antrieben" koppeln.

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