Gesundheit : Euro: Die Münzautomaten werden toleranter

Thomas de Padova

Von wegen einheitliche Währung! Alle europäischen Staaten stellen ihre eigenen Euro-Münzen her. Hier kriegt das Metall in der Prägeanstalt ein bisschen mehr Wärme ab, dort weniger. Die Münzen werden unterschiedlich verformt und gepresst. Und dann haben sie neben der internationalen ja auch noch ihre nationale Seite: Der deutsche Adler, der italienische Dichter Dante Alighieri oder der belgische König Albert II sind darauf abgebildet. Wie soll ein Münzautomat das alles erkennen und dann noch zuverlässig zwischen echt und unecht unterscheiden können?

Die Münzautomaten werden in Zukunft ein wenig toleranter sein müssen, um den Euro aus dem Nachbarland nicht als vermeintliche Fälschung wieder auszuspucken. Man hat die Margen etwas weiter gefasst, als es zuvor in Deutschland üblich war. Denn schon das Rohmaterial der Münzen ist nicht überall das gleiche. Es handelt sich um so komplizierte Legierungen wie Nordisches Gold. Diese Metallschmelzen werden in den verschiedene Länderküchen zusammengebraut. Ein fest vorgegebenes Rezept reicht den Herstellern dabei nicht. Denn die Legierungen reagieren auf Wärme oder Beimengungen von Spurenelementen sehr sensibel. Eigenschaften wie ihre elektrische Leitfähigkeit können erst nach längeren Experimentierreihen genau eingestellt werden.

Die Leitfähigkeit einer Münze verrät viel über die Festigkeit und die Reinheit des Metalls. Für Münzautomaten ist sie eine wichtige Kenngröße. Die Apparate halten die Münzen zwischen zwei Spulen fest und bestimmen die Leitfähigkeit an mehreren Stellen über eine Wechselstrom-Messung.

"Die Leitfähigkeit des Materials wird allerdings beim Prägen verändert", erläutert Peter Warnecke von der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt in Braunschweig. Ein höherer Prägedruck führe zu einer schlechteren Leitfähigkeit. Die Elektronen könnten sich dann nicht mehr so leicht durch das festere Material hindurch quetschen. Da die deutschen und die belgischen Münzen unterschiedliche Wappen haben, weicht der Prägedruck in beiden Ländern voneinander ab. Die Münzen unterscheiden sich also selbst dann, wenn die Rohlinge sich glichen wie ein Ei dem anderen.

All diese Differenzen muss jeder Münzautomat in Euro-Land tolerieren. Man sollte nun meinen, dass zumindest die Automaten überall gleich gut sind. Aber nicht einmal das ist garantiert. Denn Engländer und Deutsche verwenden zur Kalibrierung der Apparate verschiedene Verfahren. "Die deutsche Maßeinheit ist etwas anders als die englische", sagt Peter Warnecke. Noch wissen die Forscher der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt nicht so recht, warum die Methoden zur Messung der Leitfähigkeit der Münzen nicht gleichwertig sind. "Wir haben noch nicht rausgekriegt, wo der Fehler liegt."

Den braven Bürger braucht all dies wohl kaum zu kümmern. Der Euro wird kaum durchfallen, wenn 56 Milliarden Münzen zum ersten Januar 2002 in Umlauf kommen. Zu lange schon sitzen die Techniker in den nationalen Testzentren und werfen Probe-Euros in die Schlitze. Nun testen sie bereits die ersten in diesem Jahr geprägten Euros.

Wie viele falsche Fünfziger die Automaten annehmen, werden wir wohl so schnell nicht erfahren. Eines kann uns allerdings beruhigen: Die wertvolleren Ein- und Zwei-Euro-Münzen sind zweifarbig und bestehen jeweils aus drei verschiedenen Materialien. Derartige Münzen gibt es bislang weltweit noch nicht. Sie gelten daher als besonders fälschungssicher.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben