Gesundheit : Exzellenz geht auch anders

Von George Turner, Wissenschaftssenator a. D.

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In München ist eine gemeinnützige „Exzellenz-Stiftung zur Förderung der Max-Planck-Gesellschaft“ gegründet worden. Sie soll Mittel bereitstellen, um die Spitzenforschung der Max-Planck-Gesellschaft (MPG) schnell und flexibel zu unterstützen. Dort, wo staatliche Mittel nicht ausreichen oder das gesetzliche Regelwerk hinderlich ist, will die Stiftung eingreifen, um ohne großen Aufwand besonders erstrebenswerte Ergebnisse zu erzielen, um die drohende Abwanderung eines Spitzenforschers ins Ausland zu verhindern oder um Nachwuchsforschern eine Perspektive zu eröffnen.

Die MPG-Stiftung will unmittelbar und schnell reagieren. Dabei ist erklärtes Ziel, nicht etwa den Staat aus seiner Verantwortung zu entlassen. Es soll gezielt dort die Forschung unterstützt werden, wo entweder die öffentlichen Mittel nicht ausreichen oder die einzuhaltenden Verfahren zu lange dauern. Nur erstklassige Qualität garantiert den Wissenschaftsstandort und damit die Zukunft des Landes und seiner Bewohner. Zwar ist die Spitzenstellung der MPG national unbestritten. Je mehr es gelingt, international anerkannte Wissenschaftler für die MPG zu gewinnen, umso mehr wird unterstrichen, dass dies auch im globalen Wettbewerb gilt. Die Exzellenz-Stiftung zugunsten der Max-Planck-Gesellschaft unterstützt die Forschungsorganisation dabei, mit zusätzlichen Mitteln neue Möglichkeiten zu eröffnen und innovative Wege dort zu gehen, wo öffentliche Zuwendungen an Grenzen stoßen.

Spitzenforschung braucht eben auch private Förderer. Nicht zuletzt wird dadurch das allgemeine Bewusstsein verbreitert, wie wichtig die Wissenschaft für das Land ist.

Dies ist auch bereits durch die Exzellenzinitiative zur Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit der Universitäten geschehen. So wie das Verfahren angelegt ist, hat es allerdings Schwächen. Zum einen wird es sich noch als problematisch erweisen, ganze Universitäten mit der Wertmarke „Spitze“ zu belegen. So können fachlich nicht so gute Bereiche im Windschatten anderer mitsegeln; herausragende Bereiche bei insgesamt durch den Rost gefallenen Hochschulen werden unter Wert geschlagen. Auch die Tatsache, dass noch kein Konzept besteht, wie denn Eliteuniversitäten die zu ihnen passenden Studierenden auswählen sollen, spricht für einen langen Weg bis zum möglichen Ziel. Dies und anderes wird noch zu fachlichen Auseinandersetzungen, politischem Streit und Verzögerungen führen. Entsprechend lange wird es dauern, bis das erste Geld fließt.

Die Stiftung zur Förderung der MPG hat bereits ihren ersten Erfolg zu verzeichnen: Mit ihrer Hilfe ist es gelungen, den Nobelpreisträger Theodor W. Hänsch davon abzuhalten, ein Angebot aus den USA anzunehmen.

Wer mit dem Autor diskutieren möchte, kann ihm eine E-Mail schicken: g.turner@tagesspiegel.de

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