Gesundheit : Fortpflanzung von Pflanzen: Stellungswechsel beugt der Inzucht vor

Um Inzucht zu vermeiden, scheuen einige asiatische Ingwergewächse keinen Aufwand. Die Blüten der Kräuter sind Hermaphroditen: Sie sind sowohl mit männlichen als auch mit weiblichen Geschlechtsorganen ausgestattet. Die Pflanzen machen aber nicht von beiden Möglichkeiten gleichzeitig Gebrauch, sondern folgen einem strikten Stundenplan. Ein Teil der Blüten, die sich allesamt nur für einen einzigen Tag öffnen, gebärdet sich vormittags als Männlein, hingegen am Nachmittag als Weiblein. Der zweite Blüten-Typ des Ingwers verhält sich genau umgekehrt.

Dieses Kunststück erfordert eine beträchtliche Gelenkigkeit der Sexualorgane: Die erste Blütensorte gibt nur vormittags Pollen ab. Der weibliche Blütenteil, der Stempel, ragt derweil hoch über die männlichen Staubgefäße hinaus und gelangt dabei nahe an die Blütenblätter. In dieser Position ist er für die Bestäubung durch Insekten unerreichbar.

Damit hat es mit der ungewöhnlichen Vermehrung mehrerer Arten der Gattung Alpinia aber noch kein Ende, wie der Botaniker Quin-Jun Li und seine Kollegen von der Chinesischen Akademie der Wissenschaften in der britischen Fachzeitschrift "Nature" (Band 410, Seite 432) berichten. Denn am Nachmittag wandelt sich die Präferenz des Ingwergewächses. Der Stempel neigt sich nun und kann in dieser Position leicht befruchtet werden. Zu diesem Zeitpunkt haben die Staubgefäße derselben Blüte ihr Pulver längst verschossen.

Dieser raffinierte Zeitplan gewährleistet, dass sich die Ingwer-Pflanze nicht immer wieder selbst befruchtet. Nur der ständige Mix der Erbanlagen verschafft der Pflanzenart insgesamt ein größeres Potenzial, sich dauerhaft an wechselnde Umweltbedingungen anpassen zu können.

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