Gesundheit : Frankreichstudien: Tour für "Französisten"

Dorothee Nolte

In einer Hinsicht ähneln sich wohl alle frankreichbezogenen Studiengänge in Deutschland: Die Liebe zur grande nation erfasst vor allem das weibliche Geschlecht. Auch im Diplomstudiengang "Frankreichstudien" an der Freien Universität gibt es nur vereinzelte "Quotenmänner", wie Studierendensprecherin Constanze Fröhlich sagt. Klösterliche Atmosphäre kommt dennoch nicht auf, denn die Studentinnen haben gegenüber den normalen Französisch-Studierenden ein Privileg: Sie dürfen sich auch in Disziplinen umsehen, zu denen Geisteswissenschaftler wenig Kontakt haben.

Der innovative Studiengang befindet sich noch in der Erprobungsphase; erst wenn der erste Jahrgang, der im Wintersemester 1997/98 begonnen hat, das Diplom erworben hat, werden der Fachbereich und die Universität über seine Einführung als Regelstudiengang entscheiden. Klaus Hempfer, Professor für Romanistik und Initiator des Studiengangs, ist optimistisch: "Ein Bedarf besteht, das zeigt sich schon daran, dass wir jedes Jahr weit über 100 Bewerber für rund 30 Studienplätze haben. Aber Endgültiges wird man erst sagen können, wenn der erste Jahrgang beruflich untergebracht ist."

Bislang müssen die Studierenden einerseits Kurse im "Kernbereich" belegen, das heißt in französischer Literatur- und Sprachwissenschaft sowie Sprachpraxis; in diesem Kernbereich schreiben sie auch ihre Diplomarbeit. Zusätzlich wählen sie jedoch drei "Baustein-Fächer" aus den Bereichen "Geschichte und Gesellschaft", "Wirtschaft und Recht" sowie "Kunst und Medien". Sie nehmen dann innerhalb dieser Fächer an normalen und an frankreich-bezogenen Lehrveranstaltungen teil. Der Studiengang kostet daher die Universität so gut wie nichts: Es werden lediglich vorhandene Seminare anders kombiniert, eigene Kurse gibt es für die Frankreichwissenschaftler nur in der Sprachausbildung. Darüber hinaus können die Studierenden Veranstaltungen des Frankreich-Zentrums an der TU oder romanistische Seminare der HU besuchen und dort Scheine machen.

Obligatorisches Praktikum

Die häufigste Kombination von Baustein-Fächern ist Politik, Jura und Volkswirtschaft beziehungsweise Geschichte; die Fächer Soziologie und Geografie werden kaum gewählt, und auch rein geisteswissenschaftliche Kombinationen, etwa Geschichte, Politik und Kunstgeschichte, sind selten. "Das könnte man ja auch im Rahmen eines Magisterstudiengangs machen", so Hempfer. Ihm geht es um Praxisnähe und Gegenwartsbezug. Literatur wird nur von der Aufklärung an unterrichtet, in der Sprachwissenschaft konzentriert man sich auf die Gegenwartssprache, und in der sprachpraktischen Ausbildung wird viel mit Zeitungstexten gearbeitet. Außerdem sind im Rahmen des Studiengangs ein Praktikum und ein Auslandssemester in Frankreich obligatorisch. Ausgebildet werden laut Hempfer keine "Dilettanten in allen Bereichen, sondern genuine Französisten mit Zusatzkompetenzen." Sie dürfen anschließend auch in Französisch promovieren - anders etwa als die Kulturwirte in Passau, einem vergleichbaren Studiengang, der jedoch die wirtschaftswissenschaftliche Kompetenz in den Mittelpunkt stellt.

Die Studenten jedenfalls wissen das Angebot zu schätzen. "Mir gefällt, dass man verschiedene Fächer und Zugänge kennen lernt", erzählt Constanze Fröhlich, die nach zwei Jahren Studium jetzt ihr Auslandssemester in Lyon antreten wird. "Außerdem ist das Studium nicht so anonym, da wir eine feste Gruppe sind. Es ist nur manchmal schwer, sich in den Baustein-Fächern zurecht zu finden. Wir haben eben ein anderes Vorwissen als etwa Vollzeit-Jurastudenten." Wie viele ihrer Kommilitoninnen sieht sie ihre berufliche Zukunft in einer internationalen Institution oder auch in den Medien, in Frankreich oder anderswo.

Abbrecher gibt es natürlich auch in diesem Studiengang. Von 34 Teilnehmern, die für den zweiten Jahrgang ausgewählt wurden, sind nur noch 25 übrig. "Manche haben festgestellt, dass sie doch lieber VWL oder Jura studieren und nicht so viel mit Frankreich zu tun haben wollten", sagt Ulrike Schneider, die als wissenschaftliche Assistentin von Professor Hempfer den Studiengang betreut und die Studentinnen auch bei der Suche nach Praktika unterstützt. "Einzelne sind in die klassische Romanistik gewechselt, weil sie eher historisch interessiert waren." Klaus Hempfer hat noch eine andere Begründung: "Dieses Studium ist hart. Die Studenten müssen ja gerade in der Sprachpraxis einem festgelegten Stundenplan folgen. Alle sollen das Diplom nach neun Semestern erwerben. Das war einigen zu anstrengend."

Geplant ist nun auch ein ähnlicher Studiengang für Italienisch. Liegt die Zukunft der Philologien in derartigen Studiengängen, in denen Sprache und Literatur nur noch Kernfächer sind, garniert von praxisnäheren Disziplinen? Hempfer verneint diese Frage entschieden. "Die Philologien im herkömmlichen, historisch ausgerichteten Sinne muss es auf jeden Fall weiter geben. Im Grunde geht es mir darum, sie zu entlasten - von all den Studierenden nämlich, die das gar nicht wollen."

Weiteres unter Telefon 8385-2043.

0 Kommentare

Neuester Kommentar