Gesundheit : Fünf Berliner Studenten schlagen 2200 Konkurrenten beim Wirtschaftsplanspiel von Mannesmann und USW

Tom Heithoff

Du bist Unternehmer. Du willst möglichst viel Geld verdienen mit einem Konsumgut, einem Investitions- und einem Dienstleistungsgut. Also etwa mit Bier, mit einer Werkzeugmaschine, mit einer Fensterputzfirma. Du kennst die Rahmendaten; die Preise für Rohstoffe, für Arbeitskräfte, für Fremdwährungen. Ein dickes Heft voller Zahlen liegt vor dir und flüstert: Dann schieß mal los. Besondere Spannung entsteht dadurch, dass du gegen 479 Konkurrenzteams - insgesamt 2200 Studenten aus 98 deutschen und österreichischen Universitäten - anzutreten hast, die alle dasselbe wollen. Gewinnen.

Gewonnen haben fünf Wirtschaftsingenieur-Studenten der TU. Beim Unternehmensplanspiel "The Board 99", das im vergangenen Herbst erstmals von der Mannesmann AG und dem Universitätsseminar der Wirtschaft (USW) ausgeschrieben wurde, belegten sie zusammen mit dem Team aus Braunschweig den ersten Platz. "Wir wollten eigentlich nur mal unseren Wissensstand überprüfen, da wir demnächst in eine BWL-Prüfung gehen", sagt Matthias Köpp, der mit Björn Kablitz, Andrei Adolph, Roger Melcher und Felix Treuner das Siegerteam bildet, das nun eine Woche lang zu den Mannesmann-Produktionsstätten in den USA eingeladen wird. An eine Chance auf die vorderen Plätze hätten die 22-jährigen während des sechsmonatigen Wettbewerbs nie geglaubt. Als sie jedoch Runde um Runde überstanden und sich dabei gegen jeweils drei Konkurrenten durchsetzten, "wuchs mit dem Erfolg auch die Leidenschaft".

Das A und O ist die unternehmerische Strategie. Bei der Preisstrategie etwa steht der günstige Verkaufspreis im Vordergrund. "Häufig rentiert es sich, einen hohen Preis in Kombination mit einem großen Werbe-Etat zu kombinieren", sagt Köpp, doch gehe diese Rechnung natürlich nicht immer auf. Zu zahlreich seien die Faktoren, die den Markt mit beeinflussen.

Im echten Wirtschaftsleben wie im fiktiven eines solchen Planspiels gilt es, unvorhersehbare Probleme zu bewältigen. Wie reagiert man, wenn plötzlich Märkte zusammenbrechen oder die Nachfrage explodiert, wie auf plötzlichen Personalmangel? Standardantworten gibt es für all diese Fragen nicht. Das haben Köpp und seine Mitstreiter schnell gemerkt. Die unternehmerischen Entscheidungen, die per E-Mail oder Fax an die Planspielleitung geschickt werden mussten, wurden von einem Zentralcomputer ausgewertet. "Ein sehr objektives Verfahren, da keine Jury zu entscheiden hat", so Matthias Köpp.

Um erfolgreich zu sein, muss man "sauber mit den Zahlen umgehen", aber auch den Mut haben, "ungewöhnliche Entscheidungen zu treffen". Eine entscheidende Rolle spielt in dem ganzen Zahlenwirrwarr neben der Rechenkunst die Intuition. "Von Runde zu Runde werden die Rahmenbedingungen geändert, also die Wechselkurse verändert oder die Zinsen angehoben. Man muss vorausahnen, was die anderen tun könnten." Daneben aber wurde, wie Köpp zugibt, mitunter auch schon mal "Wirtschaftsspionage im Kleinen" betrieben. So habe man sich zuweilen mit spitzen Ohren an die Konkurrenz-Gruppe, die sich im Garten gerade über ihre Strategie beriet, herangepirscht. Das nennt man realistische Vorbereitung.

Die teilnehmenden privaten Unis, wie zum Beispiel die Dortmunder "International School of Management", wurden von den staatlichen Unis locker abgehängt. Die Kritiker der Bezahl-Universitäten dürfen sich also die Hände reiben: Von einer Überlegenheit der privaten Lehranstalten kann keine Rede sein. "Der Vorwurf, dass die staatlichen Unis zu praxisfern ausbilden, wird mit diesem Wettbewerb jedenfalls eindrucksvoll entkräftet", meint Köpp.

Der erste Platz gibt Selbstvertrauen. Viele Erfahrungen wurden gemacht - "ein gutes Training, man bekommt ein Gefühl für Zahlen". Und da viel "Geld" auf das Konto der fiktiven Unternehmer floss, verwundert es nicht, dass der Mitveranstalter Mannesmann großes Interesse an den jungen Zahlenjongleuren zeigte. So schnell kann es gehen im Business. Doch ein Happy End folgt - noch - nicht. Die Enttäuschung der Mannesmänner war groß, als sie erfuhren, dass die besten auch die jüngsten aller Teilnehmer sind. Sie sind alle erst im vierten Semester, haben noch nicht einmal das Grundstudium abgeschlossen und haben deswegen noch gar keine Zeit, Karriere zu machen. Auch wer zu früh kommt, den bestraft . . . Nein, nein, Sorgen muss man sich um die WirtschaftsWunderknaben wohl nicht machen. An ihre Namen wird sich das Unternehmen auch in zwei, drei Jahren, wenn sie ihren Abschluss in der Tasche haben, noch erinnern.Infos zur Bewerbung für die nächste Runde unter www.the-board.com

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