Gesundheit : Fußpilzerkrankung: Das ganze Jahr ist Saison

Adelheid Müller-Lissner

Der arme Achilles: Erinnerte bisher an den Helden der griechischen Sage in der Medizin nur eine Sehne, die sich bemerkbar macht, wenn sie unter Schmerzen reißt, so muss er nun auch noch für den Fußpilz herhalten: Achilles-Projekt heißt eine europäische Initiative, mit der Hautärzte endlich herausfinden wollen, wie häufig diese Pilzerkrankung in der Bevölkerung vorkommt.

In dieser Studie wurden bisher allein in Deutschland die Füße von 20 000 Patienten auf Fußpilz hin untersucht, die sich wegen der verschiedensten Leiden in der Praxis eines Haus- oder Hautarztes vorstellten. Das Ergebnis ist erschreckend: Bei fast einem Drittel der Untersuchten fanden sich Anhaltspunkte für eine solche Infektion. Wiederum jeweils zu einem Drittel waren Haut, Nägel oder beides betroffen. Dies Zahlen passen zu denen einer Studie aus Kanada. Diese hat zudem offen gelegt, dass die meisten Betroffenen sich der Tatsache gar nicht bewusst sind, dass die Dermatophyten sich bei ihnen eingenistet haben.

Zum ersten Kontakt mit den Pilzen kommt es in feuchten Räumen wie Schwimmbädern oder Gemeinschaftsduschen. Aber auch die viel begangenen Teppichböden von Hotels sind in dieser Hinsicht nicht ganz ohne. Krankheiten, die die Infektabwehr schwächen, aber auch kleinste Hautveränderungen, vor allem zwischen den Zehen, bahnen der Infektion dann den Weg, erklärt der Münchner Dermatologe Hans Christian Korting, Vorsitzender der Deutschsprachigen Mykologischen Gesellschaft.

Auf dem Weg zur Dusche im Schwimmbad Plastikschuhe zu tragen, ist also eine sinnvolle Vorsichtsmaßnahme. Vor allem dann, wenn man zu trockener Haut und kleinen Einrissen neigt. "Fußbekleidung hat eine erhebliche Schutzwirkung", so Korting. Am wichtigsten ist es aber, nach dem Baden oder Duschen, vor allem in öffentlichen Räumen, die Zehenzwischenräume gründlich abzutupfen und zu trocknen.

Erwiesen ist auch, dass die Gefahr, sich mit Fußpilz zu infizieren, mit häufigem Wasserkontakt steigt. Leistungsschwimmer sind deshalb besonders gefährdet. Desinfektionssprays sind, wie Korting betont, kein sinnvoller Beitrag zur Vorbeugung, auch wenn es nahe liegt, die Schädlinge abzutöten. "Was im Reagenzglas funktioniert, muss in der Wirklichkeit nicht sinnvoll sein." Denn in der Realität ist die menschliche Haut mit im Spiel. Und die wird durch die Chemikalien leicht gereizt, so dass Verletzungen entstehen, die wiederum dem Pilz die Pforten öffnen.

Auch vor einer Selbstbehandlung warnen die Hautärzte. Zwar sind wirkungsvolle Medikamente, vor allem aus der Gruppe der Azole, frei verkäuflich im Handel. Doch Rötungen, Juckreiz, weißliche Verquellungen und Einrisse zwischen den Zehen können auch Folge anderer Hautentzündungen sein, zum Beispiel eines anlagebedingten Ekzems. Der Verdacht auf Hautpilz, der sich vor allem bei Veränderungen zwischen den Zehen einstellt, sollte deshalb zuerst mit Laboruntersuchungen untermauert werden.

Hat der Pilz den Nagel befallen, so ist die Behandlung meist langwieriger. Die Infektion geht meist von der Haut aus und trifft Patienten mit Stoffwechsel-, Durchblutungs- und Empfindungsstörungen.

Nagelpilz ist weit mehr als ein rein kosmetisches Problem. Eine amerikanische Studie hat ergeben, dass die Betroffenen häufig über Störungen berichten. Das reicht von Problemen mit dem Nägelschneiden bis hin zu Beeinträchtigungen des Gehens oder auch Greifens. Manchmal ist eine Behandlung mit speziellen Nagellacken erfolgreich. Manchmal muss aber auch der Nagel gelöst und entfernt oder, oft über Monate, ein Medikament eingenommen werden.

Wenn die Behandlung glücklich überstanden ist, darf eines nicht vergessen werden: Die Schuhe und Strümpfe brauchen eine Desinfektion. Auch rote Socken müssen deshalb ausnahmsweise bei mehr als 40 Grad gewaschen werden.

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