Gesundheit : Gehirn und IQ: Nicht die Masse macht’s

Entscheidend ist, wie schnell die Rinde reift

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Nicht die absolute Größe des Gehirns ist für die Intelligenz entscheidend. Sondern die Schnelligkeit, mit der sich die Hirnrinde (Cortex) während der kindlichen Entwicklung verdickt und wieder verschmälert, also heranreift. Das berichten Forscher im Fachmagazin „Nature“ (Band 440, Seite 676). „Gehirnstudien haben uns gelehrt, dass Menschen mit einem höheren IQ keine größeren Gehirne haben“, sagte Elias Zerhouni, Direktor der Nationalen Gesundheitsinstitute (NIH) der USA . „Dank moderner Bildgebungsverfahren können wir nun erkennen, dass der Unterschied darin liegt, wie sich ein Gehirn entwickelt.“

Das Forscher-Team um Philip Shaw von den NIH fand einen Zusammenhang zwischen der Dicke der Gehirnrinde (Cortex) und der in verschiedenen Altersstufen variierenden Intelligenz. Eine besondere Rolle spielt hier die Entwicklung der vorderen Hirnrinde (präfrontaler Cortex), die vor allem für die Verstandesleistungen zuständig ist.

Die Wissenschaftler untersuchten 307 Kinder und Jugendliche im Alter zwischen 5 und 19 Jahren. Bei den meisten wurde im Zeitraum von zwei Jahren zweimal oder öfter das Gehirn mit Hilfe der Magnetresonanz-Tomografie untersucht. Es zeigte sich, dass die intelligentesten Siebenjährigen zunächst einen relativ dünnen Cortex hatten, der sich dann überdurchschnittlich schnell verdickte. Seine maximale Dicke erreichte er, als die intelligentesten Kinder elf oder zwölf waren. Dann nahm er wieder ab.

In der Gruppe der durchschnittlich intelligenten Kinder wuchs ein zu Beginn bereits dicker Cortex bis zum achten Lebensjahr noch einmal etwas und nahm dann mäßig, aber kontinuierlich ab. Die größte Schwankung in der Entwicklung des Cortex gab es also bei den Intelligentesten. „Kluge Kinder sind also nicht deshalb klüger, weil sie mehr graue Masse aufweisen“, sagt Judith Rapoport, Mitautorin der Studie. „Es ist eher so, dass der IQ mit der Dynamik der Cortex-Reifung verbunden ist.“ wsa

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