Gesundheit : Gentechnik: Drei Eltern und ein Baby

Bas Kast

Die weltweit ersten Babys mit künstlich veränderten Genen sind in den USA zur Welt gekommen. Das berichtet die britische Rundfunkanstalt BBC unter Berufung auf das Wissenschaftsmagazin "Human Reproduction". Insgesamt bis zu 30 Babys seien mit Erbgut geboren worden, das nicht nur von ihren Eltern stammt.

Einige Wissenschaftler haben empört auf die Nachricht reagiert. Die genetische Modifikation wird auch an die nächste Generation weitervererbt. "Es besteht nicht nur für das Baby, sondern auch für zukünftige Generationen ein unabschätzbares Risiko", sagte Ruth Deech, die Vorsitzende der britischen Behörde für Humane Fertilisation und Embryologie.

Die Behandlungstechnik wird benutzt, um unfruchtbaren Frauen zu einem Kind zu verhelfen. Dazu wird den Eizellen dieser Frauen Material aus den Zellen von Spenderinnen eingeschleust. In dem Zellmaterial sind auch winzige Organellen, Mitochondrien, die eigenes Erbgut enthalten. Eine so behandelte Eizelle besitzt deshalb nach der Befruchtung nicht nur das Erbgut der Eltern, sondern auch das der Spenderin. Die Forscher des Instituts für Reproduktivmedizin und -forschung in St. Barnabas im US-Staat New Jersey bestätigten, dass die Babys Spender-Mitochondrien und damit Gene zweier Frauen hätten.

Gleichzeitig wiesen sie die Kritik zurück. Die Berichte der BBC seien "verwirrend" und "nicht exakt", sagte ein Sprecher des Instituts. Die Technik habe mit der Schaffung von Babys mit künstlich veränderten Genen nichts zu tun. Das Erbgut der Mitochondrien habe keine bekannte Funktion. Es seien auch keine Gene oder Genome verändert worden, die auf die Entwicklung der Kinder Einfluss hätten.

Tatsächlich handelt es sich beim Mitochondrien-Erbgut nicht um das zentrale Ergbut, das uns prägt. Mitochondrien sind die "Kraftwerke" der Zelle, sie liefern Energie. Unser eigentliches Erbgut aber liegt im Zellkern. In der Zelle sind Mitochondrien und Zellkern voneinander getrennt, und die Erbanlagen von Mutter und Spenderin, so die Forscher aus New Jersey, träten nicht miteinander in Kontakt.

Das allerdings ist strittig. Über Wechselwirkungen zwischen Mitochondrien-Erbgut und dem Erbgut des Zellkerns ist nur wenig bekannt. Deshalb kann auch über langfristige Folgen des Verfahrens nichts gesagt werden. Damit aber werden die bislang 30 Babys zu Versuchsobjekten.

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