Gesundheit : Gipfelsturm

Die Humboldt-Universität will zur Elite gehören – und schmiedet große Pläne

Uwe Schlicht

Die Humboldt-Universität will sich an der Spitze behaupten – egal, ob es in Deutschland bald fünf bis zehn Spitzenuniversitäten geben wird, wie Bildungsministerin Bulmahn es sich wünscht, oder ob Deutschland seine Spitzenfakultäten auf einem „virtuellen Elitecampus“ konzentriert, wie die Kultusminister vorschlagen. Wie ambitioniert die Humboldt-Universität ist, zeigen ihre neuen Pläne, die jetzt im Akademischen Senat der Uni vorgestellt wurden.

Da ist zunächst ein neuer Sonderforschungsbereich über Transformationen der Antike. Mit ihm wollen die Wissenschaftler nachweisen, wie stark die Einflüsse dieser Zeit auf Mittelalter, Renaissance, Aufklärung und Neuzeit sind. Ohne die Antike sind die europäische Kultur, ihre Künste und Wissenschaften undenkbar. Europas Ursprung liegt im Mittelmeerraum. Und die europäische Kultur hat sich weltweit verbreitet.

Dieser Sonderforschungsbereich, mit dem sich die Humboldt-Universität bei der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) bewerben will, sprengt alle Grenzen herkömmlicher Disziplinen. An ihm sollen Historiker, Literaturwissenschaftler, Kunsthistoriker, Theaterwissenschaftler, Religionswissenschaftler, Archäologen und Philologen beteiligt sein. Auch zu den Naturwissenschaften soll eine Brücke geschlagen werden. Federführend bei dem Antrag auf jährlich 1,8 Millionen Euro Förderung durch die Forschungsgemeinschaft ist die Humboldt-Universität, aber die Freie Universität und die Berliner Museen wären Partnerinnen im Sonderforschungsbereich.

Neben dem Sonderforschungsbereich plant die Humboldt-Universität die Gründung eines Zentrums „Alte Welt“. Gelingt dieses Vorhaben, dann wird auch noch die Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften beteiligt. Damit ordnet sich der neue Sonderforschungsbereich in das allgemeine Programm der Humboldt-Universität ein, in absehbarer Zeit 12 Forschungszentren auf Zeit einzurichten, die über die Fakultätsgrenzen hinaus die HU als Forschungsuniversität profilieren. Fünf dieser Forschungszentren werden voraussichtlich in diesem Sommer beschlossen, sagte HU-Präsident Jürgen Mlynek dem Tagesspiegel.

Eine Brücke zur Biologie

Eine wichtige Rolle für die Forschungszentren wird auch die künftige Fakultät für Lebenswissenschaften spielen. Dort soll eine Brücke zwischen Landwirtschaft, Biologie und Medizin geschlagen werden. Die Landwirtschaftlich-gärtnerische Fakultät beantragt jetzt bei der Deutschen Forschungsgemeinschaft die Einrichtung eines Graduiertenkollegs, das von Anfang an international ausgerichtet sein wird. Gemeinsam mit der Staatlichen Agraruniversität von Novosibirsk soll erforscht werden, wie sich biologische Systeme bei Störungen verhalten. Bereits jetzt gibt es zwischen den beiden Universitäten ein gemeinsames Masterstudium.

Die Humboldt-Universität wird schon heute als eine der designierten Eliteuniversitäten gehandelt – selbst wenn ihr in Berlin gemessen an den Leistungsparametern des Senats die Freie Universität voraus ist und deshalb mit zusätzlichen staatlichen Mitteln belohnt wird. Doch bei der Doktorandenförderung steht die Humboldt-Universität mit 17 Graduiertenkollegs gemeinsam mit der Universität Heidelberg an der Spitze in Deutschland. Wenn jetzt das Graduiertenkolleg in den Agrarwissenschaften und ein Graduiertenkolleg in der Informatik hinzukommen, ist der Spitzenplatz gesichert.

Auch auf einem anderen Gebiet nutzt die Humboldt-Uni die Gunst der Stunde. Seit den desaströsen Ergebnissen bei den internationalen Schultests in Mathematik, Naturwissenschaften und Leseverständnis hat die OECD Mängel in der empirischen Schulforschung offenbart. Was im Alltag der Schulen passiert und was die Schüler wirklich lernen, ist nicht systematisch erforscht. Die DFG sucht daher seit längerer Zeit nach Fördermöglichkeiten für die Schulforschung. Wie berichtet hat die Kultusministerkonferenz jetzt beschlossen, an der Humboldt-Universität ein An-Institut für die Entwicklung der Bildungsstandards zu etablieren.

Wenn auch dieses An-Institut zunächst nur für fünf Jahre bewilligt wird und sich vor einer Verlängerung um weitere fünf Jahre einer Evaluation stellen muss, denkt die Humboldt-Universität schon weiter. Sie möchte ein Zentrum für Schulforschung einrichten und dafür nicht nur die Unterstützung der DFG, sondern auch des Stifterverbandes für die Deutsche Wissenschaft gewinnen.Dann lassen sich zusätzliche Professuren zumindest für den Zeitraum von fünf Jahren finanzieren, ohne dass das Land Berlin in seiner bekannten Haushaltsnotlage eine solche Entwicklung blockieren könnte.

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