Gesundheit : "glueckwuensche zur jubelfejer"

Rosemarie Stein

Ein Telegramm an "rudolph virchow" - Adresse überflüssig, er war ja weltbekannt: "die besten glueckwuensche zur jubelfejer sendet die universitat tokyo." Virchow, der angesehenste Arzt und Forscher seiner Zeit, machte Berlin zum Mekka der Medizin. Sein 80. Geburtstag am 13. Oktober 1901 wurde zum "Weltfest der Wissenschaft" mit Feiern in allen größeren Städten Russlands, wo die meisten seiner Schüler lebten, mit einem Bankett in New York und einer einwöchigen Folge von Festakten in Berlin.

Der Erste davon fand im Hörsaal des Pathologischen Museums statt, das man Virchow für seine berühmte Präparatesammlung neben dem Pathologischen Institut der Charité errichtet hatte. Daraus ist heute das Berliner Medizinhistorische Museum geworden - vielmehr ist es noch im Werden. Und dort hat man kürzlich das Virchowjahr eingeläutet.

Zwischen den Schädeln, Skeletten und Feuchtpräparaten in ihren Gläsern sieht man noch bis zum 25. November in den alten Vitrinen und an den Fensterwänden einen Doppelband aus Glückwunschtelegrammen zu Virchows Achtzigstem. Die kleine Ausstellung nennt sich "Intervention 1"; die Idee stammt von Annemarie Hürlimann und Nicola Lepp.

Von den 800 Telegrammen zu Virchows Ehrentag sind alle 358 erhaltenen im Original ausgestellt, manche in blauer Sütterlin-Handschrift geschrieben. Sie wurden von der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften ausgeliehen, die Virchows schriftlichen Nachlass hütet, elfeinhalb laufende Meter.

Die meisten Glückwünsche sind auf Deutsch abgefasst, damals die Sprache der Wissenschaft. Die unterschiedliche geografische und fachliche Herkunft der Absender spiegelt den Weltruhm des geehrten Gelehrten und seine erstaunliche Vielseitigkeit. Er war ja auch Sozialhygieniker und Anthropologe, Volkskundler und Archäologe, nicht zuletzt auch Politiker.

Ein Telegramm ist an "geheimrat virchow brauerei friedrichshain" adressiert, wo seine "Freisinnige Volkspartei" ihn feierte, ihn, "den unentwegten vorkaempfer fuer die freiheit des deutschen volkes, einen wahrhaft edelsten der nation, unseren virchow ..." Sogar Gereimtes ging über Berlins "Haupt-Telegraphenamt" an den Gefeierten, wie diese unfreiwillig zweideutigen Verse von "doktor moritz piza, hamburg": "was andre drueckt, die schwere last der jahre, / besiegst du durch des geistes kraft, / und traegst in jugendfrische zum altare / stets neue opfer deiner wissenschaft."

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