Gesundheit : "Grüne Gentechnik ist sicher"

Hartmut Wewetzer

Wie gefährlich sind Pflanzen, die gentechnisch gegen Ungeziefer geschützt wurden? Sind sie ein Risiko für die Gesundheit? Ein von der amerikanischen Akademie der Wissenschaften einberufenes Expertengremium verneint diese Frage. In einer nun veröffentlichten Studie kommen die Fachleute zu dem Ergebnis, dass die gentechnische Veränderung an sich keine neuartigen Gefahren für Umwelt oder Gesundheit in sich birgt.

Gleichzeitig sprechen die Experten sich für strengere Vorschriften beim Anbau, für deutlich mehr Umweltforschung (zum Beispiel Langzeitstudien über die ökologischen Folgen) zur "grünen" Gentechnik und eine bessere Zusammenarbeit der staatlichen Behörden aus. In den USA trägt mittlerweile mehr als ein Fünftel der Mais- und Baumwollpflanzen ein Erbmerkmal, das von dem Bakterium Bacillus thuringiensis stammt und sie vor Schädlingen schützt.

Wegen des Massenanbaus solcher Pflanzen wurde eine Untersuchung der US-Akademie lange erwartet - die letzte zu diesem Thema war 1987 erschienen. Auch wenn nun deutlich mehr Begleitforschung beim Anbau gefordert wird, bestätigt die jetzige Studie wesentliche Aussagen der ersten Untersuchung über genetisch modifizierte Organismen und ihre Folgen für die Umwelt - vor allem die These, dass es die Eigenschaften einer Pflanze sind, die sie sicher oder unsicher machen, und nicht der Herstellungsprozess.

James Cook, Pflanzenforscher an der Washington State University, warf dem Bericht der Akademie "Schizophrenie" vor. Wenn transgene Pflanzen nicht aufgrund ihrer Herstellung riskanter seien, warum fordere man dann strengere Vorschriften ausschließlich für sie? Weil sonst das Vertrauen der Öffentlichkeit gänzlich verloren wäre, lautete die Antwort des an der Studie beteiligten Insektenforschers Fred Gould von der North Carolina State Universität in Raleigh.

Während "Bio", die Organisation der Biotechnik-Industrie, die Studie als Beweis dafür wertete, dass ihre Produkte "gründlich getestet und sicher seien", kritisierten Gentechnik-Gegner sie als "interessengeleitet" und protestierten vor dem Sitz der Akademie, als diese die Studie präsentierte. Die Aktivisten bemängelten, dass sechs der zwölf Autoren der Studie früher Forschungsmittel aus der Industrie angenommen oder diese juristisch beraten hätten.Die Studie im Internet unter

www.books.nap.edu/catalog/9795.html

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