Gesundheit : Heiterkeit

Von Christoph Markschies, Präsident der Humboldt-Universität

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Natürlich gibt es immer wieder Momente im Leben, in denen einem zunächst gar nicht heiter zumute ist. Wer auf der Intensivstation des Deutschen Herzzentrums Berlin, das gerade sein zwanzigjähriges Jubiläum feiert, die frisch am Herzen operierten Kinder sieht, wird vermutlich kaum fröhlich lächelnd neben den kleinen Bettchen stehen. Aber schon der Blick auf die tief glücklichen Eltern, die neben ihren Kindern sitzen, beeindruckt unmittelbar.

Ich jedenfalls habe mich, nachdem ich mich vom unmittelbaren Schock des Anblicks der Intensivstation erholt habe, ungeheuer darüber gefreut, dass durch die wissenschaftlichen Fortschritte und das ungeheure Engagement dieser großartigen Einrichtung nun das Überleben von Kindern möglich wird, denen früher niemand eine Chance gegeben hat. Solche Erlebnisse wie das im Herzzentrum machen mich einen ganzen Tag lang fröhlich. Und bringen mich zur Gewissheit, dass der alte Satz „Ernst ist das Leben, heiter die Kunst“ nur in sehr bestimmten Situationen des Lebens wirklich zutrifft. Manchmal macht gerade umgekehrt die Kunst ganz ungeheuer traurig (nicht nur bei schlechten Inszenierungen und Aufführungen), das Leben aber außerordentlich heiter.

Sprachlich hing das Wort „heiter“ ursprünglich einmal mit Klarheit, Glanz und Licht zusammen. Manche Menschen werden allein durch einen in diesem Sinne heiteren Morgen fröhlich, die leben dann nach der alten Maxime: „Mach’s wie die Sonnenuhr/zähl die heitren Stunden nur.“ Und sie beherzigen, wenn es morgens regnet, was Rückert schreibt: „Wenn der Tag nicht hell ist, sei du heiter.“ Andere sind grundsätzlich so heiter, dass sie mit ihrer Heiterkeit auch die etwas melancholischen und traurigen Menschen anstecken und fröhlich machen können.

Wer mit Heiterkeit gesegnet ist, gilt – gerade weil er mit einer gewissen Leichtigkeit durchs Leben wandelt – gelegentlich als wenig tiefgängig und leicht oberflächlich. Von einer wirklich tiefen Heiterkeit kann man allerdings erst sprechen, wenn ein Mensch sowohl durch eine Fülle (durchaus auch trauriger) Erfahrungen des Lebens geprägt wird als auch von einer Grundgewissheit oder einem tiefen Trost in allen Dingen getragen ist. Solche Sätze über die Heiterkeit hört man heutigentags nicht mehr nur von Kanzeln, sondern kann sie auch in Taschenbüchern lesen, die mit dem Stichwort „Lebenskunst“ überschrieben sind. Übrigens: Diese Tatsache erheitert mich durchaus.

Der Autor ist Kirchenhistoriker und schreibt an dieser Stelle jeden zweiten Montag über Werte, Wörter und was uns wichtig sein sollte.

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