Gesundheit : Hochschule der Künste: Kunst ohne Fusion

Bärbel Schubert

Die Hochschule der Künste (HdK) will nicht mit anderen Kunst-Hochschulen in Berlin fusionieren. "Eine Zusammenlegung käme zumindest in den ersten zehn Jahren viel teurer", sagte HdK-Präsident Lothar Romain bei einer Bilanz-Pressekonferenz. Zugleich appellierte er an den Senat der Stadt, von solchen Pläne abzusehen. Sonst drohe "noch mehr Flurschaden" als bisher beim Versuch angerichtet, das milliardengroße Haushaltsloch nach dem Bankenskandal auszugleichen.

Hintergrund des Appells sind die aktuellen Überlegungen, die beiden Universitätskliniken Charité und Benjamin Franklin zusammenzulegen. Kunsthochschulen hat Berlin sogar vier. Mit den jüngst vereinbarten Hochschulverträgen zeigte sich Romain im Grundsatz zufrieden. Damit sei "Planungssicherheit für weitere drei Jahre auf niedrigem Niveau" erreicht worden. Für den anstehenden Generationenwechsel bei den Professoren seien die Mittel aber unzureichend.

Im Jahr 2003 bekommt die Hochschule nach den neuen Verträgen 110,3 Millionen Mark konsumtive Zuschüsse, 2004 rund 112,8 Millionen und 2005 rund 115,3 Millionen Mark. Das entspricht nach Rechnung der Hochschule einer Steigerung um 6,5 Prozent. Damit erreicht die HdK im Jahr 2003 wieder den Stand von 1995, erläuterte HdK-Kanzler Jürgen Schleicher. Der vereinbarte Zuwachs reiche gerade aus, um den defizitären Haushalt der Hochschule auszugleichen. Die Defizite entstehen, weil trotz drastisch gekürzter Staatszuschüsse die Mitarbeiter, deren Stellen und Finanzierung damit wegfielen, nicht entlassen werden dürfen. Personalüberhang nennt man dies in der Sprache der Verwaltung. Eine andere Auswirkung des Sparkurses: Nur jeder zehnte Bewerber um einen Studienplatz komme an Europas größter Kunst-Hochschule noch zum Zuge.

Doch die Hochschule hat im vergangenen Jahr auch angenehme finanzielle Überraschungen erlebt: Von einem "Fan" erbte sie 5,5 Millionen Mark für die Ausrichtung eines internationalen Cello-Wettbewerbs. Im Jahr 2002 soll er erstmals in Berlin zu hören sein.

Der Schrumpfungsprozess der vergangenen Jahre hat auch die Lehramts-Studiengänge getroffen. Allerdings schlossen dort einfach 35 Prozent weniger Studenten ein Studium ab. Die Bewerberzahlen sind weiter rückläufig. Die Studienkapazität ist nur noch zu 70 Prozent ausgelastet. Grund sind aus Sicht der Hochschule schlechte Berufschancen in den vergangenen Jahren. Die jüngsten Signale für einen steigenden Lehrerbedarf will die HdK aufgreifen und ihre Lehramts-Studiengänge reformieren, die "attraktiver und vor allem kürzer" werden sollen. Abiturienten sollen nun gezielt angeworben werden. Weiterbildungsangebote besonders zu "Neuen Medien" sind geplant.

Aktueller Anlass für die Bilanz war der jährliche "Rundgang" mit der öffentlichen Präsentation von Arbeiten aller Fachbereiche. Allerdings musste die Hochschule in diesem Jahr am Samstag in ihrem Haus an der Straße des 17. Juni ihre Veranstaltung unterbrechen: Die Love-Parade hatte Vorrang.

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