Gesundheit : Hochschulen brauchen Führung

Von George Turner, Wissenschaftssenator a.D.

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Die Hochschulrektorenkonferenz fordert mehr Autonomie für die Hochschulen. Das soll gelten unter anderem für die Ausgestaltung der Studiengänge, die Berufung von Professoren und die Frage, ob und in welcher Höhe Studiengebühren erhoben werden. Allerdings muss dies in den Einrichtungen selbst gehandhabt werden. Dazu bedürfen sie eines professionellen Managements. Die geltenden gesetzlichen Konstruktionen mit allumfassender Gremienzuständigkeit und Paritäten, bei denen mit knapper Not eine (theoretische) Mehrheit der Stimmen der Professoren vorgesehen ist, sind ungeeignet. Hier und da wird an einer Verbesserung von Entscheidungsbefugnissen von Hochschulleitungen gebastelt. Am weitesten will BadenWürttemberg mit einem Vorstandsmodell gehen. Dem wird entgegengehalten, damit gingen demokratische Rechte aller Gruppen, auch der Professoren, verloren.

Welches ist nun die vernünftige Lösung? Auszugehen ist von den Aufgaben der Hochschulen. Sie haben Lehre und Forschung zu dienen, möglichst bei optimalem Mitteleinsatz. Da die Freiheit von Forschung und Lehre grundgesetzlich garantiert ist, sollte die Mehrheit im Leitungsgremium zwingend aus dem Kreis der Hochschullehrer kommen.

Seit der so genannten Demokratisierung der Hochschulen um das Jahr 1970 sind zwar in den Landeshochschulgesetzen stimmberechtigte Vertreter der Assistenten, Studenten und des nichtwissenschaftlichen Personals in den Gremien vorgesehen. Rechtlich zwingend ist dies aber nicht. Es ist also durchaus denkbar, dass eine hauptamtliche Leitung einer Hochschule aus mehreren für einzelne Ressorts verantwortlichen Mitgliedern besteht, wobei die nach Paritäten mit Gruppenvertretern bestückten Gremien nur beratende Funktion haben. Die Wahl der Mitglieder des Leitungsorgans kann durchaus durch eine Art Aufsichtsgremium erfolgen, das zum Teil auch mit Mitgliedern besetzt sein kann, die nicht der Hochschule angehören. Die Mehrheit sollten Professoren sein.

Dies mag viele, die sich an die Verhältnisse seit rund 35 Jahren gewöhnt haben, überraschen, vielleicht sogar schockieren. Wer aber möchte, dass deutsche Universitäten nicht vollends den Anschluss an die viel gepriesenen Spitzenuniversitäten in den USA verlieren, muss auch anerkennen, dass deren Management wesentlich mit zum Erfolg beiträgt.

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