Gesundheit : Hörprobe: "Ohne Vorwarnung"

Tilmann Warnecke

Auch in diesem Semester besuchen Campus-Reporter wieder Vorlesungen, um schonungslos Kritik zu üben oder überschwänglich zu loben.

Was hat das Kind bloß? Diesen Seufzer stoßen nicht nur geplagte Eltern, sondern auch Computerbenutzer häufig aus. Wo der Säugling schreit, wenn es ihm schlecht geht, zeigt der Computer Hinweise an wie: "Programm muss wegen ungültiger Anwendung geschlossen werden" und stürzt danach ab. Beides eindeutige Hilferufe, deren Ursache Eltern und PC-User höchstens erahnen können. Bei Kindern löst die Natur solche Probleme: Sie wachsen und lernen sprechen. Computer tun dies nicht, deswegen hilft die Wissenschaft nach.

Um der Kommunikation zwischen Mensch und Maschine auf den Grund zu gehen, gibt es bei den HU-Psychologen eigens den Lehrstuhl für Ingenieurpsychologie. In der Vorlesung "Modelle der Mensch-Rechner-Interaktion" legt Professor Wandke allerdings keine vom Rechner-Gebrauch frustierten Ingenieure auf die Couch. Er erklärt den fünf anwesenden Studenten, warum das Gespräch zwischen Computer und Mensch manchmal scheitern muss. Die Ergebnisse der Wissenschaft beruhigen auch den fachfremden Zuhörer: Es liegt nicht immer am technischen Unverständnis des Computer-Laien, wenn der Rechner nicht funktioniert. Vielmehr hapert es an den unpräzisen Mitteilungen des Computers - er redet schlicht am Menschen vorbei.

Der Rechner des Campus-Reporters trotzte übrigens den neu gewonnenen Erkenntnissen und stürzte beim Verfassen des Textes ab. Ohne Vorwarnung. Da helfen auch Interaktionsmodelle nicht. Was hat das Kind bloß?

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