Gesundheit : Holländischer Käse bevorzugt

Die Rektoren wollen Bachelor und Master wirklich flächendeckend

Uwe Schlicht

Bis zum Jahre 2010 soll ein einheitlicher europäischer Hochschulraum geschaffen werden mit der Folge, dass es überall gestufte Studiengänge mit den Abschlüssen Bachelor und Master geben soll. Wie man dahin kommt, und welche Ausnahmen es geben wird, ist umstritten. Die Hochschulrektorenkonferenz (HRK) scheint jetzt einen rigoroseren Kurs als die Kultusministerkonferenz (KMK) einschlagen zu wollen. Die Kultusminister haben beschlossen, die gestufte Studienstruktur bis zum Jahre 2010 umzusetzen. „Jedoch können wichtige Gründe für eine Beibehaltung der bewährten Diplom-Abschlüsse auch über das Jahr 2010 hinaus sprechen.“ Der Präsident der Hochschulrektorenkonferenz, Peter Gaehtgens, sieht das Ziel anders: „Ob es nach 2010 noch Ausnahmen gibt, wird man sehen. Die Hochschulrektorenkonferenz verfolgt keine Linie, bei der nach dem Jahr 2010 noch Ausnahmen zugelassen werden.“ Was die Kultusminister vorgeschlagen haben, ähnele einem Schweizer Käse mit lauter Löchern. Die Hochschulrektoren bevorzugten holländischen Käse.

Nach der Gesetzeslage richten die Hochschulen die neuen Studiengänge ein. Die Studiengänge bekommen ihr Gütesiegel durch die Qualitätsprüfung einer Akkreditierungsagentur. Der Staat ist nicht mehr zuständig für die Zulassung neuer Studiengänge. Deswegen haben die Hochschulrektoren auch mit Befremden darauf reagiert, dass die Kultusministerkonferenz jetzt die Akkreditierungsagenturen an dem Punkt kontrollieren will, wo es um den Übergang vom Bachelor zum Master geht. Die Kultusminister ließen sich dabei von dem Gedanken leiten, dass zum Masterstudium nur eine Elite von hoch qualifizierten Studenten zugelassen werden dürfe. Die KMK misstraut den Hochschulen, dass diese angesichts der Noteninflation bei den Hochschulexamina die richtige Auswahlentscheidung treffen. Die Hochschulrektoren setzen dagegen, dass sie selbst für die Qualitätsstandards sorgen könnten. Der Vorbehalt der Kultusminister sei „unzumutbar“. Er stelle „einen Verstoß gegen das Prinzip dar, den Hochschulen mehr Selbstverantwortung zu übertragen“.

Besorgt äußerte sich Gaehtgens darüber, dass bei der Föderalismusreform der Ausbau der Hochschulen allein den Ländern überantwortet werden könnte. Die bisherige Regelung, dass 50 Prozent der Gelder vom Bund und die andere Hälfte vom jeweiligen Sitzland aufgebracht werden müssen, habe zu einer positiven Entwicklung geführt. Der Hochschulbau werde schnell zum Erliegen kommen, wenn der Bund keinen Finanzbeitrag mehr leiste. Dann werde das Gefälle von den reichen Südländern zu den armen Nordländern noch größer.

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