Gesundheit : Im Wissenschaftsrat keine Mehrheit

Uwe Schlicht

Der Wissenschaftsrat hat auf seiner Sitzung in Göttingen noch nicht abschließend über die große Hochschulreform entschieden, die mit der Einführung von Bachelor- und Masterstudiengängen in Deutschland verbunden sein soll. Auf der Januarsitzung des Wissenschaftsrats in Berlin soll jetzt diese zentrale Empfehlung beschlossen werden. Die Chancen für eine große Mehrheit nach der jetzigen Vertagung werden als günstig angesehen.

Der Wissenschaftsrat hatte die Absicht, mit der Einführung von Bachelor und Masterstudiengängen in Deutschland gleich zwei große Probleme zu lösen: Eine Bewältigung der Massenausbildung dadurch, dass die meisten Studenten künftig nach dreijährigem Studium die Hochschulen verlassen müssen und nur noch die Besten unmittelbar mit dem Masterstudium eine Art Eliteausbildung beginnen. Die Rede ist von einer Auswahl von nur noch 20 bis 30 Prozent der Studenten vor dem Beginn des Masterstudiums. Zum anderen sollen alle Studien- und Qualifikationszeiten so verkürzt werden, dass künftig eine Erstberufung zum Professor mit 35 Jahren möglich wird. Um das zu erreichen, müssten die Studenten die Hochschulen bereits mit 24 oder 25 Jahren statt heute mit 28 Jahren verlassen. Der neue Rhythmus, der dem Wissenschaftsrat vorschwebt, lautet drei Jahre Studium bis zum Bachelorabschluss, zwei Jahre Studium bis zum Master, drei Jahre Qualifikationszeit bis zur Promotion, danach sechs Jahre Weiterqualifikation bis zur Erstberufung.

In einem internen Papier des Wissenschaftsrats heißt es, dass auf die Dauer das neue Studiensystem mit Bachelor und Master nicht mit dem bisherigen Studiensystem der Magister- und Diplomstudiengänge vereinbar sei. Gegen diese radikale Veränderung der deutschen Hochschultradition haben die Vertretungen sämtlicher deutscher Fakultätentage Widerstand angekündigt: Sie sprechen von der Gefahr der Kannibalisierung der deutschen Magister- und Diplomstudiengänge. Auch in den beiden Kommissionen des Wissenschaftsrats zeigte sich noch weiterer Klärungsbedarf. Vor allem Naturwissenschaftler und Diplomingenieure verteidigen nach wie vor den Ruf des deutschen Diploms. In der Verwaltungskommission wird zwar die Internationalisierung, die mit der Einführung von Bachelor und Master verbunden ist, bejaht, aber andererseits warnen Vertreter einzelner Länder vor einer Amerikanisierung der deutschen Studiengänge.

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