Gesundheit : In ganz Deutschland geht der Streik weiter

Das neue Zentrum der Proteste sind Sachsen und Thüringen

Tilmann Warnecke Sandra Löhr

Die deutschen Studenten rücken den Politikern noch einmal richtig auf die Pelle. Zumindest die Weimarer von der dortigen Bauhaus-Universität. Erst war die SPD dran: Hunderte Studenten empfingen die Genossen bei ihrer Klausurtagung mit Buhrufen und Pfiffen. „Elite für alle“, skandierten die Protestierenden; die SPD will schließlich nur zehn Elite-Hochschulen in Deutschland aufbauen. Dann statteten die Studierenden der CDU-Landtagsfraktion in Erfurt einen Besuch ab. Sie gaben sich als Mitglieder der Jungen Union aus und nahmen gut getarnt mit Schlips und Anzug an der Fraktionssitzung teil, bis Wissenschaftsministerin Dagmar Schipanski persönlich auftauchte.

Das neue Zentrum des Studentenboykotts liegt in Thüringen und Sachsen: Die Weimarer streiken noch immer aktiv gegen Kürzungen im Bildungsbereich. In Leipzig beschlossen gestern 3 000 Studierende einen zunächst einwöchigen Ausstand.

Eine Stunde nahm sich Schipanski für die ungeladenen Gäste Zeit. Die Ministerin will nun am 14. Januar auf einer Studentendemo reden, um den Protestierenden ihre Sicht auf die Bildungspolitik zu erläutern. Das hat sich bisher noch keiner ihrer Ministerkollegen getraut. Eine Zusage rangen die Bauhaus-Studenten der Ministerin ebenfalls ab: An einem runden Tisch will sie zusammen mit Studenten, den Hochschulleitungen und den Bildungsexperten der Landtagsfraktionen die Probleme der thüringischen Hochschulen besprechen. „Frau Schipanski war sehr beeindruckt, wie gut wir vorbereitet waren“, sagte Jens Wernicke, Sprecher der Weimarer Studentenvertretung. Er hofft auf ein bundesweites Zeichen: Der Protest lohnt sich doch.

Schipanski sagte dem Tagesspiegel: „Wir haben verabredet, dass die Studenten auflisten, welche gravierenden Probleme sie an den Hochschulen sehen. Wir werden bald einen Termin für die erste Runde verabreden.“ Sie sei erfreut über die „konstruktive Diskussion“.

Das Streik-Hoch im Osten Deutschlands kommt allerdings zu spät, um die Kommilitonen in Hessen und in Bremen zum Durchhalten zu bewegen. Die Hanseaten beschlossen auf ihrer Vollversammlung einen Zwitter zwischen Streik und Uni-Alltag: Sie befinden sich weiter im Ausstand, lassen aber alle Lehrveranstaltungen stattfinden. An der Uni Frankfurt, die im November als erste in den Ausstand trat, droht der komplette Abbruch des Streiks. „Offiziell streiken wir noch, inoffiziell tut sich nichts mehr“, sagt der stellvertretende Asta-Vorsitzende Thorsten Hofmann.

Ähnlich verwirrend ist die Lage an den künstlerischen Hochschulen Berlins. Entgegen anderslautenden Meldungen verlängerten die Kunsthochschule Weißensee und die Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch ihren Ausstand nicht. Die Musiker von der Hanns-Eisler-Hochschule dagegen streiken weiter, allerdings in einer sehr sparsamen Variante. „Streik bedeutet nicht, dass Unterricht ausfällt, Prüfungen verschoben werden oder wir die Gebäude besetzen“, klärte ein Zettel die Studenten auf. Was bedeutet Streik aber dann? Der Asta war nicht zu erreichen. „Die nehmen das wohl nicht so ernst“, meinte Günter Schwarz, Kanzler der Hochschule.

An der Universität der Künste kamen am Mittwoch noch knapp hundert Studenten zusammen, um am „Info-Tag“ zu den Protesten teilzunehmen. Euphorie kam selbst dann nicht auf, als der Beschluss der Kommilitonen von TU und FU bekannt wurde, weiter zu streiken. Der Lehrbetrieb lief fast normal. Ob sie weiter im Ausstand bleiben wollen, entscheiden die Studenten der UdK heute.

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