Gesundheit : Kalenderblatt: Wettrüsten auf dem Wasser

Ingo Bach

Vor 101 Jahren, am 12. Juni 1900, eröffnete das Deutsche Reich einen massiven Rüstungswettlauf mit Großbritannien. Der Reichstag verabschiedete das Zweite Flottengesetz. "Unter den gegebenen Umständen gibt es nur ein Mittel, um Deutschlands Handel und Kolonien zu schützen", sagte der zuständige Großadmiral Alfred Tirpitz vor den Reichstagsabgeordneten. "Deutschland muss eine Flotte von solcher Stärke haben, dass selbst für die größte Flotte ein Krieg mit ihm ein solches Risiko in sich bergen würde, dass ihre eigene Überlegenheit gefährdet wäre." Ein deutlicher Fingerzeig in Richtung Großbritannien.

Das Flottengesetz von 1900 verdoppelte die zwei Jahre zuvor genehmigte Anzahl der zu bauenden Schlachtschiffe: bis 1917 sollten zwei Flaggschiffe, 36 Schlachtschiffe, 11 Schlachtkreuzer und 34 so genannte Kleine Kreuzer gebaut werden. Innerhalb des nächsten Jahrzehntes schuf sich Deutschland so eine Kriegsflotte, die nach der britischen die zweitstärkste der Welt war. Das ging nur mit erheblichen Belastungen für den Staatshaushalt, die nur deshalb möglich waren, weil Wilhelm II. die Kriegsschiffe zur "Kaisersache" erklärt hatte - "Seemacht ist Weltmacht" - und die deutschen Flottenvereine eine beispiellose Propagandaschlacht entfachten. Die Marine war unglaublich populär.

Die deutsche Flottenrüstung stand einer Verständigung, gar Annäherung mit Großbritannien immer im Wege. Für den Ausgang des Ersten Weltkrieges hatte die deutsche Flotte jedoch keinerlei Bedeutung.

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