Gesundheit : Keine Angst vor Zuwachs

Neuer TFH-Präsident hofft auf neue Studienplätze

Uwe Schlicht

Die Technische Fachhochschule in Berlin-Wedding wird wachsen, denn der Senat der Stadt plant einen Teil der Studienplätze von den Universitäten an die Fachhochschulen zu verlagern. Hinter diesem Plan stehen nicht nur Erwägungen des Sparsenators Thilo Sarrazin, sondern auch bildungspolitische Richtungsentscheidungen. Bundesweit sollen weit über 30 Prozent der Studienanfänger auf die Fachhochschulen umgeleitet werden. Berlin ist mit einem Anteil von etwa 25 Prozent an der gesamten Studentenzahl der Stadt noch weit von diesem Ziel entfernt.

Wie groß kann die Technische Fachhochschule noch werden, ohne sich zu überheben? Gegenüber den drei großen Universitäten in Berlin mit jeweils mehr als 30 000 Studenten sind die beiden „Riesen” unter den Berliner Fachhochschulen, die TFH und die Fachhochschule für Technik und Wirtschaft, mit ihren etwa 8500 Studenten noch klein.

Bei der Präsidentenwahl an der Technischen Fachhochschule zeigte es sich, wie umstritten die Frage der künftigen Größe ist. Der aus der Wahl hervorgegangene neue Präsident der TFH, Reinhard Thümer, hat keine Scheu davor, die Technische Fachhochschule bis auf 12 000 Studenten wachsen zu lassen. Der unterlegene Gegenkandidat, Horst Hermann, äußerte dagegen Bedenken, einen solchen großen Sprung mit 50 Prozent mehr Studenten zu wagen. Denn mit einem solchen Wachstum müsse dann auch eine 50-prozentige Vermehrung der Professoren und Mitarbeiter einhergehen. Außerdem brauche die Technische Fachhochschule mehr Labors, Vorlesungsräume und Werkstätten. Hermann bezeichnete eine Erweiterung um 4000 Studienplätze als utopisch.

Einen Teil dieser Entscheidung haben die Wähler getroffen, als sie sich mit 31 Stimmen für den bisherigen Ersten Vizepräsidenten Thümer entschieden und den Gegenkandidaten Hermann mit nur 18 Stimmen nach Hause schickten. Den zweiten Teil dieser Entscheidung wird der Berliner Senat treffen. Zwar müssen die drei großen Berliner Universitäten im Laufe von 15 Jahren etwa 38,3 Millionen Euro in einen Strukturfonds zum Aufbau von FH-Studienplätzen zahlen, aber ob das Geld für Investitionen in Gebäude und Laboratorien auch ausreicht, ist fraglich. Der neue Präsident machte jedenfalls deutlich, dass es noch Reserven bei der Nutzung der Laboratorien und Werkstätten der TFH gebe. Thümer rechnet damit, dass bei dem Abbau von Doppel- und Dreifachangeboten die entscheidende Frage gestellt werde, wo die Ausbildung effizienter sei: an der Technischen Universität oder der Technischen Fachhochschule. Viele Studenten, die nur eine wissenschaftliche Berufsqualifizierung erwerben wollen, seien an der FH besser aufgehoben als an der Universität.

Aber auch für Thümer gibt es eine Schallgrenze: Über 12000 Studierende soll die Hochschule nicht haben, da sie nicht zu einer Masseneinrichtung werden möchte. Dass künftig Universitätsprofessoren an die Technische Fachhochschule wechseln, weil dort Studienplätze aufgebaut werden, die an der Universität verloren gehen, schloss Thümer aus: Das Gesetz erlaube keine Versetzung von Professoren von einem Hochschultyp an einen andern. Die Umstellung der Studiengänge vom Diplomingenieur auf den Bachelor und Master werde die TFH nur dort vollziehen, wo den Studenten durch diese Reform bessere Chancen auf dem Arbeitsmarkt, vor allem bei der Industrie, geboten werden, sagte Thümer.

Der im Jahre 1945 geborene Reinhard Thümer hat an der Berliner Technischen Universität Wirtschaftsingenieurwesen studiert und dort promoviert. Bevor er 1997 Erster Vizepräsident an der Technischen Fachhochschule wurde, hatte er schon Erfahrungen in der Selbstverwaltung als Dekan gesammelt. Als der bisherige Präsident Gerhard Ackermann aus gesundheitlichen Gründen sein Amt aufgab, hatte Reinhard Thümer die Geschäfte des Präsidenten geführt. Nach der Reformsatzung der Technischen Fachhochschule wird er für vier Jahre hauptamtlich als Präsident tätig sein.

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