Kesseltreiben im Klinikkeller : Berliner Krankenhäuser die energiesparendsten Deutschlands

Ein Krankenhausbetrieb braucht für ein Bett etwa den Energieverbrauch von drei bis vier Einfamilienhäusern - also immens viel Energie. Wer spart, wird vom BUND ausgezeichnet In Berlin sind das zehn Häuser – so viel wie in keiner anderen Stadt.

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Herr der Rohre. Michael Patermann inspiziert das Kühlsystem des Franziskus-Krankenhauses, das gerade das BUND-Gütesiegel bekommen hat. Fotos: Doris Spiekermann-Klaas
Herr der Rohre. Michael Patermann inspiziert das Kühlsystem des Franziskus-Krankenhauses, das gerade das BUND-Gütesiegel bekommen...

Das kleine Hinweisschild am Fenster fehlt. In Roland Bersdorfs Arbeitszimmer wurden die Fensterrahmen gestrichen, da ist der Aufkleber wohl abhandengekommen. „Praktische Lebenshilfe“ nennt Bersdorf die Schildchen. Zu Hunderten kleben sie an den Fenstern seiner Klinik und erklären, wie Stoßlüften funktioniert: Das Fenster mehrfach kurz komplett öffnen und wieder schließen, statt es dauerhaft gekippt zu lassen. Das lüftet effektiver und spart Energie.

Roland Bersdorf ist Geschäftsführer des Gemeinschaftskrankenhauses Havelhöhe in Kladow, das schon seit längerem Vorreiter im Energiesparen ist. 2007 hat der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) die Klinik mit dem Gütesiegel „Energie sparendes Krankenhaus“ ausgezeichnet. Zehn Häuser in Berlin dürfen sich so nennen, gerade sind zwei neue hinzugekommen: das Franziskus-Krankenhaus in Tiergarten und das Krankenhaus Bethel in Lichterfelde, für Havelhöhe wurde das Zertifikat verlängert. Bundesweit tragen 40 Krankenhäuser dieses Siegel.

Ein Großbetrieb wie ein Krankenhaus, in dem Vorschriften zur Beheizung und Belüftung gelten, in dem Patienten gesund werden wollen und sich keine Gedanken über die Stromrechnung machen wollen, schluckt immens viel Energie. Auf ein Bett kommt in etwa der Energieverbrauch von drei bis vier Einfamilienhäusern. Das größte mit dem Siegel ausgezeichnete Krankenhaus ist das Vivantes-Klinikum Neukölln mit über tausend Betten. Laut BUND spart es seit 2009 jährlich 2,1 Millionen Euro Energiekosten, das entspricht einer Strommenge, die im Durchschnitt 5200 Haushalte mit je vier Personen versorgt. Doch ein kleiner Aufkleber am Fensterrahmen reicht nicht, um das Gütesiegel zu bekommen. Die wichtigsten Maßnahmen spielen sich in den verschlungenen Heizkellern und Lüftungsräumen der Krankenhäuser ab.

Andreas Küntzel schiebt sein rotes Fahrrad durch den Schnee. Die Wege zwischen den Gebäuden von Havelhöhe sind lang, da ist der 52-jährige technische Leiter aufs Fahrrad angewiesen. Die verstreuten Klinikgebäude entstanden in den 30er Jahren als Reichsluftfahrtakademie, noch 2005 wurden sie alle über eine einzige Anlage beheizt. Die Wärme musste in den Leitungen dieselben Wege überbrücken wie Andreas Küntzel mit seinem Fahrrad. „Da geht viel Energie verloren“, sagt er. Jetzt haben die Verwaltungsgebäude eine separate Heizung, die Heizanlage für die übrigen Gebäude ist an zentraler Stelle untergebracht, wo früher das Krankenhausessen tiefgekühlt wurde. Jetzt arbeiten dort drei große Heizkessel. Ihr Lärm vermischt sich mit dem des neuen großen Blockheizkraftwerks, das Strom erzeugt und zugleich dafür sorgt, dass die Wärme, die durch die Arbeit des Generators entsteht, nicht verloren geht. Vielmehr wird sie direkt in das Nahwärmenetzwerk des Krankenhauses eingespeist.

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