Gesundheit : Keulenschläge auf der Bühne

TOM HEITHOFF

Der Aufbaustudiengang Spiel- und Theaterpädagogik an der HdK VON TOM HEITHOFF

Proben können hart sein.Dem jungen Mann im weißen Tischtuch wird statt einer Mohrrübe eine Banane in den Mund gestopft.Schneemann soll er sein.Jetzt muß er sich auch noch von zwei Mädchen schlagen lassen - die Regieanweisung will es so.Zwei dicke Keulen sausen durch die Luft, der Schneemann sinkt zusammen.Die Mädchen geben ihm noch einen Schlag hinter die Ohren.Und dann steht er wieder aufrecht und fragt: "War es gut so?" Es könnte noch besser sein, findet Regisseur Andreas Schmidt.Das Tempo...Der Rhythmus... Im Theatersaal wird konzentriert gearbeitet."Don Juan kommt aus dem Krieg" von Horváth heißt das Stück, das die vierzehn Studenten zur Aufführung bringen wollen.Studenten? Auf der Bühne stehen eine Lehrerin, eine Sozialpädagogin, eine Biologin, eine Tänzerin und ein Theologe.Sie alle haben bereits ein Studium oder eine Berufsausbildung abgeschlossen und besuchen nun den Aufbaustudiengang Spiel- und Theaterpädagogik an der HdK. "Meine Liebe galt eigentlich immer dem Theater", sagt die Lehrerin Ramona Krönke, die schon während ihres Studiums auf Off-Theaterbühnen gespielt hat."Mein Ziel ist es, mit Streetkids oder Obdachlosen Theater zu spielen und damit die Re-Integration zu unterstützen", sagt sie.Inka Seidel geht den umgekehrten Weg.Sie hat eine künstlerische Ausbildung als Tänzerin absolviert und hofft, in diesem Studium die nötigen pädagogischen Fähigkeiten zu erlangen, um als Tanzlehrerin arbeiten zu können.Fast immer wird diese Ausbildung mit dem ersten Studium oder Beruf kombiniert.Auch der Theologe Wolfgang Löbermann möchte das Erlernte in die Gemeindearbeit als Pfarrer einfließen lassen: Er denke da beispielsweise an Weihnachtsspiele. Während des zweijährigen Studiums besuchen die künftigen Spiel- und Theaterpädagogen Seminare und Workshops, in denen die Grundlagen des Theatermachens erarbeitet werden."Körper-Bewegung-Tanz" ist so ein Schwerpunkt, "Atem-Stimme-Text" ein anderer.Maske, Licht, Dramaturgie, Regie - alles wird von allen belegt und im Hinblick auf eine spätere Berufstätigkeit geübt.Da die Absolventen zur Arbeit mit Laien befähigt werden sollen, steht selbstverständlich auch die Didaktik der Spielleitung auf dem Stundenplan. Gerade einmal zwei Professoren und zwei wissenschaftliche Mitarbeiter werden fest beschäftigt und kümmern sich um 80 Studierende.Eine Rundum-Betreuung ist damit kaum möglich.Für die Studierenden bedeutet dies: Improvisieren."Eigeninitiative ist gefordert", sagt Ramona Krönke, "bei Projekten organisieren wir alles selbst, vom Geld bis zum Licht.Das aber ist zugleich die beste Vorbereitung für später". Theaterpädagoge ist kein anerkanntes und geschütztes Berufsbild."Jeder darf sich so nennen, und mit diesem Titel schleichen viele Pfuscher umher", sagt Wolfgang Löbermann, der theaterspielende Theologe.Auch die Absolventen anderer Studiengänge wie Kulturpädagogik und Theaterwissenschaft drängen auf die Stellen, von denen Theaterpädagogen träumen.Und eine telefonische Umfrage bei einigen Theatern zeigt: Die Stellen sind rar.Die Volksbühne hat keinen eigenen Theaterpädagogen, und im Gripstheater übernimmt der Dramaturg theaterpädagogische Aufgaben.Das carrousel-Theater bildet mit zwei Stellen die große Ausnahme."Wir führen Kinder an das Theater heran, indem wir sie den Machern über die Schulter schauen lassen und sie auch selbst zum Spielen bringen.Wir sprechen mit den Zuschauern über Stücke, begleiten und betreuen Regisseur wie Publikum", erklärt Gudrun Bahrmann vom carrousel-Theater ihre Aufgabe und schwärmt: "Ein Traumjob". Noch ist der Job ein Traum für Schneemann Martin Karl.Wieder windet er sich unter den Keulenschlägen.Die beiden Mädchen treffen ihn endlich an den richtigen Stellen, an Niere, Hals und Knie, jetzt stimmt das Timing und die Szene drängt vorwärts.Danach hat Don Juan, der aus dem Krieg kommt und seine einzige Liebe sucht, seinen Auftritt.Inzwischen läßt der Schneemann die Luft aus den Keulen und raucht eine Zigarette. Premiere heute um 20 Uhr im Carrousel-Theater an der Parkaue.Weitere Aufführungen am 31.Januar, 1., 8.und 9.Februar, jeweils um 20 Uhr.Die Karten kosten 5 DM und können unter der Telefonnummer 5577 5252 reserviert werden.Informationen zu Studium und Bewerbung sind erhältlich unter der Telefonnummer 3185 2562 oder direkt in der Bundesallee 1-12.

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