Gesundheit : Kleiderschrank "Axel" zeigt sich wenig kooperativ (Glosse)

Jochen-Martin Gutsch

Neulich rief mich ein Freund an. Er hätte Probleme mit Axel. Doch damit nicht genug. Ingo und Billy seien sowas von zum Kotzen, ob ich ihm nicht helfen könnte. Ich hatte keine Ahnung, wovon er überhaupt sprach. "Bitte!", stöhnte er ins Telefon. Seine Stimme war brüchig und heiser. Ich machte mir Sorgen.

"Die vom Telefonservice sagen, man soll darauf achten, die Spreizstifte nicht in den Muffelösen zu fokussieren", empfing er mich. Man soll was? "Ach übrigens, das ist Axel". Axel lag auf dem Boden und roch nach Spanplatte. Ein Haufen Bretter, Schrauben und Scharniere warteten auf ihren Zusammenbau. Vermutlich schon seit Tagen. Mein Freund hatte Augenringe, seine Haut war grau. Im hinteren Teil des Zimmers zwei weitere Haufen. Ingo und Billy.

"Axel ist der schlimmste von alllen", sagte mein Freund verächtlich. Ich klopfte ihm auf die Schulter: "Ruhig, Brauner". Dann fingen wir an. Axel war wirklich ein Arschloch und zeigte sich nicht annähernd so kooperativ, wie man es von einem Kleiderschrank hätte erwarten können. Die Flügeltüren waren verzogen, die Einlegeböden zu kurz und die Scharniere barsten unter dem massiven Einsatz unserer Schraubenzieher. Von Muffelösen und Spreizstiften keine Spur. Die Aufbauanleitung schien wertvolle Hinweise zu enthalten. Leider war sie komplett auf Schwedisch. Wir taten, was wir konnten. Mal gelang es uns, einen Schuhschrank zusammenzubauen, mal schafften wir eine schrankähnliche Kommode. "Entdecke die Möglichkeiten", sagte ich. Mein Freund schüttelte den Kopf: "Ich will einen Kleiderschrank", sagte er weinend. Dann tranken wir.

Am nächsten Morgen rief ich meinen Freund Ralf an. Ralf studiert Verarbeitungstechnik, Schwerpunkt Holz und holzähnliche Stoffe. Ich sagte, ich hätte Probleme mit Axel. Und mit Ingo und Billy stünde es momentan auch nicht zum Besten. Ob er mir nicht helfen könnte. Meine Stimme war brüchig und heiser. "Bitte", stöhnte ich ins Telefon.

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