Gesundheit : Kleie macht das Wasser klar

Getreidereste filtern Giftmoleküle aus Trink- und Abwasser

Gideon Heimann

Das Interesse an nachwachsenden Rohstoffen steigt allenthalben, jetzt auch bei Chemikern, die sich mit der Abwasserreinigung befassen. In einem neuen Verfahren dient Kleie dazu, Schadstoffe aus dem Abwasser der Industrie sowie aus Sickerwasser zu holen, das aus Böden stammt, die in früheren Jahrzehnten verunreinigt worden sind.

Kleie, das sind die Reste, die beim Mahlen von Getreide übrig bleiben. Sie gilt als Abfall und wird allenfalls von der Futtermittelindustrie als Beimengung genutzt. Das Fraunhofer Institut für Grenzflächen- und Bioverfahrenstechnik in Stuttgart und die Gesellschaft für umweltschonende Technologien in Obrigheim (Gutec) fanden nun eine neue Aufgabe für die gelben Krümel.

Die Schadstoffe, auf die sie in Bioreaktoren angesetzt werden, stammen aus der Halbleiter-, der Glas- und der chemischen Industrie. Es geht neben Schwermetallverbindungen auch um Hexachlorcyclohexan (HCH), das früher in großen Mengen als Pflanzenschutzmittel unter dem Handelsnamen Lindan eingesetzt wurde. Bei der Produktion des Insektengiftes Gamma-HCH entstanden aber verwandte Stoffe (Isomere), die in der Natur nur sehr schwer abgebaut werden.

In hohen Konzentrationen schädigt HCH Nerven und Leber. In der Frage, ob es Krebs auslöst, gehen die Angaben auseinander. Seit rund zwei Jahren gilt in der EU ein Anwendungsverbot. Aber der sorglose Umgang damit verursachte in früheren Jahrzehnten Rückstände mit teilweise hoher Konzentration im Boden und damit auch im Grundwasser – vor allem bei Produktionsbetrieben.

Die Techniker entwickelten daher eine mobile Sanierungsanlage, die bereits bei einem großen Chemiebetrieb läuft. Wird das verunreinigte Wasser hindurchgepumpt, bleiben die Giftmoleküle an der Kleie hängen, werden „adsorbiert“. In einer chemischen Vorbereitung kann die Kleie auf unterschiedliche Substanzen eingestellt werden, so zum Beispiel auch auf Medikamenten-Rückstände. Anschließend wird die Kleie als Sondermüll verbrannt oder auch recycelt.

Das Klarwasser unterschreitet geltende Schadstoff-Grenzwerte deutlich. Deshalb haben die Techniker das Verfahren zur Aufbereitung für Trinkwasser fortentwickelt. Wie Gutec-Geschäftsführer Günther Mann sagte, laufen bereits Anlagen in Ungarn und in Italien.

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