Gesundheit : Kleine Kinder, große Mandeln und ein Laser

Manchmal ist es ein lautstarkes Schnarchen, das bis ins elterliche Schlafzimmer dringt: das erste Zeichen für vergrößerte Mandeln der Kinder.

Was sind die Symptome?

Abgesehen vom Schnarchen kann es zu Schluck- und Atembeschwerden kommen, im Schlaf sogar zu Atemaussetzern – Schlafapnoe genannt.

Wie werden zu große Mandeln behandelt, die nicht entzündet sind und deshalb nicht komplett entfernt werden müssen?

Eine relativ neue Alternative zur klassischen Mandelentfernung ist die Verkleinerung beider Tonsillen mit verschiedenen Instrumenten, unter anderen dem CO2-Laser. Statt die Gaumenmandeln ganz herauszunehmen (wie bei der Tonsillektomie), werden diese nur teilweise entfernt. Diese „Mandelkappung“ nennen Mediziner Tonsillotomie. Während die Tonsillen früher mit der Schere herausgeschnitten wurden, wird heute der Teil, der aus dem Gaumengewebe hervorragt, durch Lasertechnik abgetragen. „Lange Zeit war die Teilentfernung der Tonsillen mit der herkömmlichen Art und Weise verboten“, sagt Michael Jaumann von der Deutschen Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde. Es bestand die Gefahr, dass sich durch die Narben am Gewebe Abszesse bilden. Inzwischen finden jedoch etwa genauso viele Laserbehandlungen wie komplette Mandelentfernungen statt.

Wann bietet sich eine Verkleinerung an?

„Wenn ein Kind von Natur aus zu große Mandeln hat, diese aber vorher noch nicht entzündet waren“, sagt HNO-Spezialist Jaumann. Der Eingriff eignet sich für Kinder unter vier Jahren.

Was sind die Vorteile gegenüber einer kompletten Mandelentfernung?

Die Gaumenmandeln spielen im Immunsystem des Körpers eine wichtige Rolle, vor allem in den ersten Lebensjahren. „Da Kinder viel durch den Mund atmen, fangen sie sich leichter Infekte oder eine Bronchitis ein“, sagt Jaumann. Deswegen kann es sinnvoll sein, sie zumindest teilweise im Rachen zu lassen. Erst wenn der Körper gelernt hat, gegen welche Fremdstoffe er immun sein muss, kann er auf die Mandeln verzichten. Daher wird bei Kindern unter vier Jahren nicht zur kompletten Entfernung der Mandeln geraten. Diese sollte nur dann durchgeführt werden, wenn chronische Mandelentzündungen auftreten. Zu den häufigsten und gefürchtetsten Komplikationen bei Mandelentfernungen gehören Nachblutungen. Bei der Laser-Tonsillotomie ist dieses Risiko viel geringer. In der Regel wird in Kliniken dieser Eingriff mit einem kurzen stationären Aufenthalt durchgeführt. Er kann im Einzelfall ambulant erfolgen. „Da nur ein Teil der Mandeln entfernt wird, kommt man nicht mit den großen Gefäßen in Kontakt, die die Mandel mit Blut versorgen“, sagt Jaumann. Etwa zwei Drittel des Organs werden entfernt, offene Wunden entstehen kaum. „Die Kinder haben praktisch keine Schmerzen“, sagt Jaumann. Sie erholen sich schnell.

Was kostet die Operation?

Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen die Kosten für die Laser-Tonsillotomie nicht: Die bis zu 700 Euro werden privat berechnet. lwi

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