Gesundheit : Kleinsatelliten für die Planung der Ernte Privates Unternehmen investiert in Raumfahrt

Thomas de Padova

In wenigen Wochen zieht das kleine Unternehmen von München nach Brandenburg an der Havel um. Mit einer Unterstützung von 37 Millionen Euro hat das Land Brandenburg die Firma „Rapid Eye“ geködert. Nur sieben Mitarbeiter sind es gegenwärtig. Aber Anfang 2007 sollen es 140 Beschäftigte sein. Und dazu fünf fliegende Kisten, jede von ihnen kaum größer als eine Waschmaschine.

Die fünf Satelliten werden in 600 Kilometern Höhe um den Globus kreisen und Aufnahmen zur Erde übermitteln. Das Unternehmen will dann aktuelle Bilder von landwirtschaftlichen Anbauflächen oder Katastrophengebieten an Großbauern und Versicherungen in der ganzen Welt verkaufen. Karten etwa, die Ernteschäden zeigen oder die Ernteplanung erleichtern.

Nach fünf Jahren zäher Verhandlungen ist die Finanzierung des Raumfahrtprojektes nun gesichert. 150 Millionen Euro sollen vor allem in den Bau der Satelliten und der Kamera fließen. Neben dem Land Brandenburg steuert auch das Bundesforschungsministerium einen großen Batzen bei: 14,7 Millionen Euro. Denn auch die Forscher des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) sind an der wissenschaftlichen Auswertung der Daten interessiert.

„Alles, was wir machen wollen, gibt es schon“, sagte der Geschäftsführer der Firma, Wolfgang Biedermann, am Montag in Berlin. „Es sind erprobte Technologien.“ Aber bisherige Satelliten-Informationssysteme seien entweder zu teuer oder lieferten den Kunden die Daten nur in großen Zeitabständen.

Um im Wettbewerb die Nase vorn zu haben, kauft „Rapid Eye“ die Satelliten in Kanada und schickt sie mit einer russischen Rakete ins All. Es sei zwar schade, dass es kein europäischer Lieferant sei, sagte Walter Döllinger, Direktor im DLR-Raumfahrtmanagement. „Aber die Kanadier haben ein hervorragendes Angebot gemacht.“

Mit einer Geschwindigkeit von 27000 Kilometern pro Stunde werden die Satelliten täglich 15-mal um den Globus laufen. Auf diese Weise können sie Tag für Tag eine Fläche aufnehmen, die maximal elfmal so groß ist wie die Bundesrepublik. Selbst bei schlechtem Wetter werde es damit möglich sein, mindestens einmal alle drei Wochen Bilder jedes beliebigen landwirtschaftlichen Anbaugebiets zu liefern, sagte Biedermann.

Das Herz des neuen Satellitensystems ist eine Kamera, die maßgeblich am DLR entwickelt wurde. Sie tastet die Erde in jeweils 80 Meter breiten Streifen ab. Ihre empfindlichen Detektoren sind gegenwärtig bereits an Bord der Raumsonde „Mars-Express“ erfolgreich im Einsatz.

Mit einer neuen Optik versehen, soll die Kamera künftig auch eine preiswerte und großflächige Erdbeobachtung ermöglichen. Sie erfasst das Licht dazu in fünf verschiedenen Farbkanälen. Anhand dieser Informationen lassen sich dann zum Beispiel Roggen von Weizen und Kartoffel- von Maispflanzen unterscheiden. Der Bauer wird dann für die Daten pro Quadratkilometer einen bis zehn Euro bezahlen – wenn er denn kauft, was er nicht kennt.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben