Kolumne zu Sportverletzungen : Dr. Dollas Diagnose (8)

Einst behandelte der Berliner Orthopäde Dr. Thorsten Dolla die Spieler von Hertha BSC, für uns schreibt er seine Kolumne "Dr. Dollas Diagnose". In der aktuellen Folge geht es um die Frage, ob jeder professionell geführte Verein ein Rehabilitationszentrum braucht.

Dr. Thorsten Dolla
Bei den Spielsportarten wie Fußball, Handball oder Eishockey gibt es häufig Verletzungen, die eine sehr umfangreiche Therapie erfordern.
Bei den Spielsportarten wie Fußball, Handball oder Eishockey gibt es häufig Verletzungen, die eine sehr umfangreiche Therapie...Foto: dapd

Der Zweitligaspitzenreiter Hertha BSC hat vor wenigen Tagen ein Rehabilitations-Zentrum auf dem Gelände des Olympiaparks, auf dem sich auch ihre Geschäftsstelle und ihr Trainingszentrum befindet, eröffnet. Braucht jeder Spitzenverein ein eigenes Reha-Zentrum?

Ein wesentliches Kapital eines jeden professionell geführten Vereins stellen die Spieler dar. Nur der gesunde Spieler kann optimale Leistung bringen und damit die Wahrscheinlichkeit des Erfolgs erhöhen. Um diese Gesundheit zu gewährleisten, verfügt inzwischen jeder Verein über ein Gesundheitsnetzwerk. Das besteht aus Ärzten und Therapeuten. Ein wichtiger Eckpfeiler dieses Netzwerkes ist ein Rehabilitationszentrum.

Gibt es doch besonders bei den Spielsportarten wie Fußball, Handball oder Eishockey häufig Verletzungen, die eine sehr umfangreiche Therapie erfordern. Diese umfangreiche Therapie beinhaltet eine manuelle Therapie, Krankengymnastik, Massage, Trainingstherapie und physikalische Therapie. Es ist also eine komplexe Therapie, ursprünglich von der Verwaltungsberufsgenossenschaft entwickelt, um die Dauer der Arbeitsunfähigkeit zu verkürzen.

Die Erfahrungen der vergangenen Jahre haben gezeigt, das besonders durch das medizinische Netzwerk im Hochleistungssport die optimalen Rehabilitationsergebnisse auch als Modell für Behandlungsstrategien außerhalb des Sports geeignet sind. Oft vergleicht man dies mit dem Formel-1-Rennsport. Die neuesten Erkenntnisse gehen später in die Serienproduktion der Autos.

Bei der Durchführung und Weiterentwicklung neuer Behandlungsstrategien am Profisportler, der durch seinen hochtrainierten Körper bessere Reha-Ergebnisse als der Normalbürger erreicht, ist es ähnlich. Erfolgreiche Erkenntnisse aus der Rehabilitation können dann natürlich auch den Nichtsportlern zugute kommen.

Dr. Thorsten Dolla schreibt regelmäßig für den Tagesspiegel über Sportverletzungen.
Dr. Thorsten Dolla schreibt regelmäßig für den Tagesspiegel über Sportverletzungen.Foto: promo

Wer bezahlt die Behandlung? Bei den Profisportlern leitet und bezahlt die Verwaltungsberufsgenossenschaft das Heilverfahren. 1991 wurde die besonders indizierte Therapie eingeführt und dann auch weiterentwickelt. Sie war die Grundlage bei der Behandlung komplexer Verletzungen, da sie durch die umfangreiche Behandlung von Störungen ganzer Funktionsketten eine schnelle Wiederaufnahme des Sports erreicht werden konnte. Heute steht dem Leistungssportler die sogenannte "Leistungssportspezifische Erweiterte Ambulante Physiotherapie" bei den entsprechenden Verletzungen zur Verfügung.

Unter Berücksichtigung der medizinischen Erkenntnisse sollte ein Profiverein ein Rehabilitationszentrum haben, oder aber mit einem in unmittelbarer Nähe kooperieren. Dort arbeiten die Fachleute, die für einen optimalen Behandlungsverlauf verantwortlich sind. Ob das Reha-Zentrum dem Verein gehört, oder ob es sich um eine Kooperationsvereinbarung handelt, hat auch wirtschaftliche Gründe.

Wünschen wir doch Hertha nicht nur eine erfolgreiche Bundesligasaison sondern auch wenig verletzte Spieler.

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