Gesundheit : Konservative Kämpferin

Die Hochschulpolitikerin Ursula Besser wird 90

Uwe Schlicht

Ursula Besser, Hochschulpolitikerin der CDU in den 1960er bis 80er Jahren, hat nie die höchsten Weihen einer Senatorin oder Staatssekretärin erhalten. Sie musste sich ein Leben lang mit den Rollen einer Abgeordneten und zeitweiligen Vorsitzenden des Wissenschaftsausschusses des Abgeordnetenhauses begnügen. Aber sie war in der Berliner Hochschullandschaft eine Instanz – und als unerschütterliche Konservative gleichermaßen geliebt wie gehasst. Letztlich war sie eine Sachwalterin der Hochschulen mit Augenmaß, selbst wenn viele in ihr nur eine engherzige Parteivertreterin in den Kuratorien der Freien Universität, der Technischen Universität und später auch der Technischen Fachhochschule erkennen konnten.

Respekt nötigte ihr Werdegang ab. Die im Krieg verwitwete Mutter zweier Kinder studierte seit 1943 Auslandswissenschaften, Germanistik und Romanistik an der Berliner Universität und promovierte 1949, um dann als Übersetzerin, Privatlehrerin und Publizistin zu arbeiten. Mit dem Eintritt in die CDU startete Besser 1945 ihre politische Karriere.

Ihre große Stunde schlug mit der Studentenrevolte und dem Versuch der SPD, diese Revolte im Glauben an den Idealismus der Jugend mit einer großzügigen Hochschulreform zu beantworten. Die an den Rand gedrückten konservativen Ordinarien organisierten sich bald in der „Notgemeinschaft“, der auch Ursula Besser beitrat. Wenn man einer Mehrheit aus Dienstkräften, Studenten und Assistenten die Möglichkeit bietet, die Universität von innen heraus radikal zu verändern, wird es zu einer Politisierung und zum Leistungsverfall kommen, warnte die Notgemeinschaft. Tatsächlich versuchten die Marxisten, die Universität zur Basis für die gesellschaftliche Veränderung nicht nur nutzen, sondern zu missbrauchen.

In diesen dramatischen Jahren stellte die CDU-Abgeordnete Ursula Besser oft die richtigen Fragen, wenn SPD-Politiker am liebsten wegsehen wollten. Schließlich wurde es selbst den Sozialdemokraten unter Wissenschaftssenator Werner Stein zu viel: 1974 kamen das neue Hochschulgesetz, das die Unis einer strikten Staatskontrolle unterwarf – und Berufsverbote bei der Personalpolitik.

Auch wenn Ursula Besser der verlängerte Arm der „Notgemeinschaft“ war – in einem hatte sie Recht: Keine politische Aufsicht allein kann eine fehlgeschlagene Reform kontrollieren, solange die akademische Selbstverwaltung auch für den Missbrauch der Wissenschaftsfreiheit einen Schutzraum bietet. Erst als die Leitidee, die zu politischer Konfrontation und Leistungsverfall geführt hatte, ihre Faszination verlor, konnten die Berliner Universitäten den Weg zurück zur Normalität finden. Ursula Besser, die am 5. Januar ihren 90. Geburtstag feiert, hat viel dazu beigetragen. Die TU Berlin und die Technische Fachhochschule haben Ursula Besser zur Ehrensenatorin gemacht. Als überzeugte Christin engagierte sich Besser auch in der Berlin-Brandenburgischen Synode.

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