Gesundheit : Kritisch wird es nach dem Jahr 2000

UWE SCHLICHT

So deutlich wie nie zuvor: Wissenschaftssenator Radunski räumt Schwierigkeiten bei der Hochschulplanung bis 2003 einVON UWE SCHLICHT85 000 ausfinanzierte Studienplätze in Berlin sind für Wissenschaftssenator Peter Radunski ein Ziel, an dem er unbedingt festhalten will.So deutlich wie nie zuvor räumte er auf einer Pressekonferenz ein, daß die 85 000 Studienplätze aber nur bis zum Jahre 2000 gesichert sind.Bereits im Jahr 2000 könnte diese Zahl unterschritten werden, wenn bis dahin nicht die durch den Vertrag auf den Weg gebrachte Studien- und Hochschulreformen greife und wenn es nicht unter Umständen zu finanziellen Neuüberlegungen des Berliner Senats komme.Für den schlimmsten Fall rechnet Radunski sogar mit "einer erheblichen Unterschreitung" der Zielzahl.Details nannte Radunski nicht, jedoch glaubt er keineswegs, daß um das Jahr 2003 nur noch 62 250 Studienplätze finanziell gesichert sein werden, wie es Experten seiner Verwaltung errechnet hatten. Radunski sieht die Schwierigkeiten dadurch verursacht, daß ab dem Jahre 2000 zusätzliche Sparauflagen greifen werden, die bereits 1993 beschlossen wurden und mit ihren Wirkungen bis zum Jahr 2003 reichen: Die Hochschulen müssen dann noch 70 Millionen DM sparen und die Mediziner speziell 45 Millionen Mark vor allem in den Polikliniken.Große Sorgen bereiten dem Wissenschaftssenator wie den Hochschulen die zusätzlichen Belastungen durch die Versorgungsaufwendungen: Bereits in diesem Jahr müssen die Hochschulen für die Altersversorgung der Professoren 30 Millionen Mark aus ihren Haushalten aufbringen.Über diese Fragen müsse bei den Folgeverhandlungen zwischen den Hochschulen und dem Senat über die Vertragsverlängerung für die Jahre 2001 und 2002 gesprochen werden. Als hilfreich sieht es Radunski an, daß der Wissenschaftsrat seine Empfehlungen zum Ausbau der Naturwissenschaften in Adlershof an die 85 000 Studienplätze in Berlin gekoppelt hat und außerdem auch noch verlangt, daß die Reduzierung der Studienplätze nicht weiter auf Kosten der Ingenieur- und Naturwissenschaften gehen dürfe. Radunski begrüßte es, daß jetzt alle Hochschulen die Verträge mit dem Land Berlin unterschrieben haben.Nur dadurch hätten sie von der Haushaltssperre befreit werden können; für den Vertragszeitraum bis zum Jahre 2000 würden die den Hochschulen zugesagten Haushaltszuschüsse als nicht steuerbare Beträge von weiteren Einsparungen ausgenommen.Jedenfalls verfolge die Große Koalition dieses Ziel mit den Verträgen.Er könne jetzt schon sagen, daß die Hochschul- und Forschungspolitik in Berlin wieder zu einer wichtigen Aufgabe geworden sei. Noch im Juni wird Radunski den Hochschulentwicklungsplan des Landes Berlin zur Mitzeichnung an die Finanz- und Innenverwaltung geben und zum Ende des Monats dem Parlament zustellen.Bereits gestern gab er einige Eckzahlen aus diesem Hochschulstrukturplan bekannt.Danach soll die Zahl von 85 000 ausfinanzierten Studienplätzen bis zum Jahre 2000 eine jährliche Aufnahmekapazität von 19 030 Anfängern ermöglichen.Damit könnten die Berliner Landeskinder mit Studienplätzen in der Stadt versorgt werden, betonte er. Im einzelnen verteilen sich die 85 000 Studienplätze wie folgt: Auf die Universitäten entfallen 63 800 Studienplätze, auf die Kunsthochschulen 5200 und auf die Fachhochschulen 16 000 Studienplätze.Radunski bedauerte es, daß er wegen der starken Reduzierung der Studienplätze in Berlin nicht den Ausbau der Fachhochschulen wie geplant vorantreiben könne.Eigentlich wäre es sinnvoll, wenn zum Beispiel ein Teil der Lehrerbildung von den Universitäten an die Fachhochschulen verlagert werden könne. Radunski unterstützt die Versuche der Humboldt-Universität, sich möglichst schnell eine neue Hochschulverfassung als Experiment zu geben.Wenn es nach seinen Vorstellungen gehe, dann könne die HU ihre Autonomie voll nutzen.Jedoch müsse er beachten, daß die SPD als der Koalitionspartner von einem politikfernen Kuratorium nichts wissen wolle, sondern auf der Mitwirkung von Abgeordneten im Kuratorium bestehe.Auch er könne sich nicht vorstellen, daß der Wissenschaftssenator künftig nicht mehr in einem Kuratorium vertreten sein solle.Schließlich gebe es die Fachaufsicht in wichtigen Fragen - vorgegeben durch das Hochschulrahmengesetz.Da habe der Staat den Hochschulen gegenüber ein Weisungsrecht."Daß wir bisher zuviel Staat in den Universitäten haben und die Fachaufsicht viel zu eng ist, ist klar", sagte der Senator.

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