Gesundheit : Lehrermangel: Quereinsteiger ohne Staatsexamen sollen unterrichten

Mirjam Mohr

"Wir werden über Quereinsteiger reden müssen", erklärte vor einigen Tagen die neue Vorsitzende der Kultusministerkonferenz Annette Schavan. Angesichts des Lehrermangels, der in einigen Fächern bereits herrscht, sind die Bundesländer gezwungen, über neue Einstellungsmodelle nachzudenken. Einige Länder bereiten deshalb den Weg für Quereinsteiger ohne pädagogische Ausbildung vor. Mancherorts gibt es damit schon Erfahrungen.

An Berufsschulen war es schon immer möglich, dass Handwerksmeister zumindest im praktischen Bereich unterrichten durften. Heute gehen immer mehr Länder dazu über, auch Fachhochschulabsolventen und diplomierte Ingenieure als Lehrkräfte einzustellen. Meist müssen diese dann aber eine pädagogische Zusatzausbildung absolvieren.

Hessen will nun nach diesem Vorbild auch an den allgemein bildenden Schulen neue Wege gehen. Mit einem neuen Einstellungserlass zu Jahresbeginn sollen zunächst an den Berufsschulen Informatiker und Wirtschaftsinformatiker mit Diplomabschluss und Berufserfahrung als Angestellte eingestellt werden können. "Bevor der Unterricht ganz ausfällt, setzen wir lieber solche Leute ein", erklärte Ralf Hörnig vom hessischen Kultusministerium. Wenn sie beim Unterrichten bleiben wollen, haben sie die Möglichkeit, das Referendariat nachzuholen. Diese Methode soll - leicht abgewandelt - auf die allgemein bildenden Schulen übertragen werden. Nachdem das Ministerium zum Jahresbeginn diese Neuerung angekündigt hatte, gab es nach Angaben Hörnigs einen regelrechten Ansturm. Eine pädagogische Nachqualifizierung ist nötig.

Auch andere Bundesländer denken über solche Möglichkeiten nach. In Niedersachsen droht, wie in den meisten Ländern, vor allem in den Fächern Chemie und Physik, Kunst, Musik, Religion und Latein ein Einstellungsloch. Deshalb sollen dort vom Sommer an auch Akademiker ohne Lehramtsstudium eine Chance erhalten. Auch Hamburg und Baden-Württemberg wollen Quereinsteiger berufsbegleitend pädagogisch qualifizieren.

In Nordrhein-Westfalen will Bildungsministerin Gabriele Behler dem Lehrermangel dadurch entgegenwirken, dass sie die Altersgrenze für die Verbeamtung auf 45 Jahre heraufsetzt. Damit sollen zunächst einmal diejenigen zurückgewonnen werden, die nach ihrer Lehrerausbildung in einen anderen Beruf gegangen sind.

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