Gesundheit : Lehrerstudium an der TU auf Prüfstand

Uwe Schlicht

Wird die Technische Universität Berlin auch die Ausbildung ihrer Berufsschullehrer aufgeben müssen? Die TU hat wegen der Einsparungen ihr Schwergewicht auf die Ingenieur- und Naturwissenschaften sowie die Planungswissenschaften und die Ausbildung der Wirtschaftsingenieure gelegt. Das ging auf Kosten der Lehrerbildung und der Geisteswissenschaften. Noch nicht entschieden ist, ob die Arbeitslehre und die Berufsschullehrerausbildung auf Dauer in der TU bleiben.

Bisher schützt eine Vereinbarung der Kultusministerkonferenz die verbleibende Lehrerbildung an der TU: Studienräte dürfen danach nur an Universitäten und Pädagogischen Hochschulen ausgebildet werden. Es liegt aber bereits ein Angebot der Fachhochschule für Technik und Wirtschaft in Karlshorst vor, auch die Berufsschullehrerausbildung von der TU zu übernehmen. TU-Präsident Kurt Kutzler teilte mit, dass dieses Angebot in „gewissen Kreisen“ sorgfältig geprüft werde. Vielleicht könne man mit der Umstellung der Lehrerausbildung auf Bachelor und Master statt der bisherigen Staatsexamensstudiengänge neuen Spielraum für Verlagerungen gewinnen.

Auf 62 Professuren muss die TU verzichten, um ihren Beitrag zur Sparsumme von 75 Millionen Euro in den Jahren 2006 bis 2009 zu erbringen. Es bleibt jedoch nicht bei diesen 62 Professoren, denn deren Ausstattung muss ebenfalls eingespart werden. Hinzu kommen also 120 Stellen beim wissenschaftlichen Mittelbau, 120 Stellen beim technischen Personal und 50 Stellen beim sonstigen Verwaltungspersonal – zusammen sind das etwa 290 Stellen. Werden diese Stellen nicht in den Jahren bis 2009 frei, kommen sie in den Überhang, dessen Kosten die TU selbst erwirtschaften muss. Das wird vor allem im Bereich der Dauerstellen beim technischen und Verwaltungspersonal ein Problem.

Kurt Kutzler möchte möglichst bald in einem Spitzengespräch zwischen den Universitätspräsidenten und dem Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit klären, unter welchen Bedingungen sich die Berliner Unis am Wettbewerb um Elitehochschulen, Forschungscluster und Graduiertenschulen beteiligen können.

Sollte Berlin wegen des Haushaltsnotstandes der Ansicht sein, dass der Landesanteil in Höhe von 25 Prozent der Kosten für den Status einer Elitehochschule oder die Finanzierung eines Forschungsclusters von den Hochschulen selbst erwirtschaftet werden müsse, dann könne er dieser Einschätzung nur die Aussage entgegenhalten: „Dazu werden die Berliner Universitäten nicht in der Lage sein.“

Kutzler rechnet so: Wird ein Forschungscluster mit acht Millionen Euro jährlich über fünf Jahre gefördert, ergibt das eine Summe von 40 Millionen Euro. Auf die so geförderte Universität kommen in dieser Zeit jedoch Folgekosten in Höhe von acht Millionen Euro zu, die sie selbst erwirtschaften müssen. Wenn sie dazu noch den Landesanteil in Höhe von 25 Prozent tragen müssen, sind das weitere zehn Millionen Euro.

Diese Beträge seien der nach schwierigen Sparrunde nicht zu bewältigen. Kutzler appellierte an die anderen Universitäten, sich wegen des Wettbewerbs nicht zu entzweien, sondern abgestimmte Konzepte über hochschulübergreifende Forschungscluster oder Graduiertenschulen zu entwickeln.

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