Gesundheit : Los geht’s! Reimen!

Der neue Wettbewerb „Deutsch-Olympiade“ will den Spaß an der Sprache fördern

Dorothee Nolte

Einmal auf der Bühne des Deutschen Theaters zu stehen – davon haben Gina Schirm, Denis Czerkas, Janine Kuhr und Katharina Winkler vermutlich nie geträumt. Und doch war es am Sonntag für sie so weit: Zusammen mit acht anderen Vierer-Teams aus ganz Deutschland standen die Schüler der Berliner Heinrich-von-Stephan-Oberschule beim Finale der ersten Deutsch-Olympiade auf den heiligen Brettern. Und wetteiferten darum, wer am kreativsten und spontansten mit der deutschen Sprache umgeht.

Höher, weiter? Vor allem: schneller, lautet die Maßgabe in dem neuen bundesweiten Wettbewerb für Neuntklässler aller Schularten. Zwei Minuten Vorbereitungszeit, und schon wird auf Kommando gereimt, erzählt, umschrieben, erklärt und eine Szene dargestellt. Fünf Disziplinen gibt es in diesem Wettkampf, dessen Name „Olympiade“ nicht nur auf die bereits eingeführte Mathe-Olympiade Bezug nimmt, sondern tatsächlich auf das sportliche Element. Sprinter sind gefragt, nicht Marathonläufer, Geistesgegegenwart ist Trumpf, wer gerne im stillen Kämmerlein an Texten feilt, bis sie vor der Ewigkeit Bestand haben, der ist hier falsch. Los geht’s! Team Hamburg! Disziplin Reimen! Zeit um!

Und da stehen sie nun in bunten T-Shirts, die Teams aus Gymnasien und Schulen mit mittlerem Schulabschluss, blinzeln in das Scheinwerferlicht und sollen reimen oder auch Fantasie-Begriffe erklären. „Der Mond steht hoch am Himmelszelt“ – das war die Vorgabe – „das ist etwas, was mir sehr gefällt“, dichtet Philipp aus Wiesbaden und gibt noch eine Vorlage für Teamkollegen Malte, „meine Freundin sitzt neben mir“. Nun Malte: „Sie trinkt ein kühles klares Bier“ und so immer weiter, zwei Minuten lang (siehe Kasten). Gymnasiasten-Teams treten gegen Gymnasiasten an, Haupt- und Realschüler gegen Haupt-und Realschüler.

Nein, die meisten dieser spontanen Texte werden keinen Bestand über den Tag des Finales hinaus haben. Aber darum geht es auch nicht. Es geht darum, mit der deutschen Sprache zu spielen und dabei Spaß zu haben – etwas, was im Deutsch-Unterricht oft zu kurz kommt. 3500 Schüler und 50 Schulen aller Schularten haben sich an der Pilotphase der Deutsch-Olympiade beteiligt und die fünf Disziplinen im Unterricht, bei Klassen- und Regionalendrunden trainiert. Projektlehrer Peter Rottmann aus Bad Kissingen hat die Arbeit genossen. „Das hat viel mehr mit Fantasie und Kreativität zu tun als der sonstige Unterricht.“ Für seine Schüler sei es eine gute Übung gewesen, aus dem Stand zu reden, und dazu noch vor Publikum. „Das hat total viel Spaß gemacht“, bestätigen Domi und Sabrina vom Potsdamer Humboldt-Gymnasium. „Man hat auch die anderen aus der Klasse ganz neu kennengelernt.“ Gerade das, das Aufeinandereingehen im Team, ist ein weiteres großes Ziel des Wettbewerbs: dem anderen die Staffel aus der Hand nehmen und damit weiterlaufen, ganz wie im Sport.

Hinter der Deutsch-Olympiade steckt die noch junge „Initiative Deutsche Sprache“, die das Goethe Institut und die Gemeinnützige Hertie Stiftung vor zweieinhalb Jahren gegründet haben. Die Hertie Stiftung konnte ihre umfangreichen Erfahrungen mit einem anderen Wettbewerb einbringen, „Jugend debattiert“, der sich innerhalb weniger Jahren zum drittgrößten deutschen Schülerwettbewerb gemausert hat. Am Debattierwettbewerb können sich jedoch nur ausgesuchte Schulen beteiligen, die Deutsch-Olympiade dagegen steht ab Herbst 2007/08 allen Schulen offen. Fortbildungen für die Lehrer sind nicht erforderlich, die Initiative Deutsche Sprache stellt gut gemachte Unterrichtsmaterialien bereit, die sich an den Bildungsstandards der Kultusministerkonferenz orientieren. Das 70-seitige, übersichtliche „Lehrerheft“ reicht aus, dass jeder Deutschlehrer einer neunten Klasse sechs bis acht Unterrichtsstunden bestreiten kann.

Was in der perfekt orchestrierten Show des Finales notwendigerweise zu kurz kam, das können die Lehrer im Unterricht vertiefen: Welche Typen von Reimen gibt es, welche Techniken der Umschreibung, was ist ein Spannungsbogen? Was macht eine Szene spannend, wie gliedert man eine Begriffserklärung? Wettbewerb und Show helfen dabei, den Evergreens des Sprachunterrichts neues Leben einzuhauchen, sie mit eigener Kreativität und Teamgeist aufzuladen.

Und das kann auch Schüler begeistern, die sonst eher schwer Zugang zur deutschen Sprache finden. So wirkte denn auch mancher auf der Bühne des Deutschen Theaters regelrecht erstaunt darüber, dass ausgerechnet er oder sie hier als Deutsch-Künstler auftreten durfte. Gewonnen haben schließlich die Gymnasiasten aus Wiesbaden und die Realschüler aus Frankfurt am Main. Aber darum geht es nicht: Spaß gemacht hat es allen.

Mehr Informationen unter www.initiative-deutsche-sprache.de

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