Gesundheit : Machtwort an die Politik

Unter Spardruck: Institute aus Berlin und Brandenburg vertreten gemeinsam ihre Interessen

Uwe Schlicht

Unter dem Druck drohender großer Spareinschnitte formiert sich der Wissenschaftsbetrieb in Berlin und Brandenburg neu. Nach der Initiative Berliner Hochschulen und Unternehmen „An morgen denken“ gibt es jetzt auch die länderübergreifende Initiative „WissenSchafftZukunft“, in der sich die Forschungsinstitute Berlins und Brandenburgs zusammengefunden haben. Die Initiative will mit dem ganzen Gewicht ihrer Mitglieder – 40 Forschungsinstitute aus Berlin und 26 aus Brandenburg – in die Öffentlichkeit gehen. In den Parlamenten will man die Haushaltspolitiker und in den Regierungen die Ministerpräsidenten oder Regierenden Bürgermeister und die Finanzminister davon überzeugen, wie wichtig Forschung und Wissenschaft für die Region sind.

In Brandenburg sind die Vertreter der Forschungsinstitute trotz des Geldmangels weniger besorgt. Sie seien sich des Rückhalts durch Ministerpräsident Matthias Platzeck, Wissenschaftsministerin Johanna Wanka und den Wirtschaftsminister sicher, heißt es. In Berlin aber vermisst die Initiative ein demonstratives Engagement des Regierenden Bürgermeisters Klaus Wowereit für die Wissenschaft. Die neue Initiative versteht sich dabei nicht als „ein bloßes Kürzungsabwehrbündnis gegen den Finanzsenator“, sondern als eine „breite Initiative, die eine aktive Wissenschafts- und Forschungspolitik für die gesamte Region einfordert“. Aber die von Finanzsenator Thilo Sarrazin genannte Sparsumme von 200Millionen Euro an den Universitäten, bedeute eine akute Gefährdung der 85000 Berliner Studienplätze und drohe, einen massiven Stellenabbau hervorzurufen. Der würde vor allem den wissenschaftlichen Nachwuchs treffen.

Einer der Sprecher der Initiative, Thomas Elsässer, vom Max-Born-Institut für nichtlineare Optik, kritisiert die Ländervergleiche, mit denen Sarrazin eine angebliche Überausstattung der Berliner Universitäten begründet. Weltweit konzentriere sich Forschung und Wissenschaft nicht in der Gesamtheit eines flachen Landes, sondern an bestimmten Brennpunkten. In Deutschland seien solche Brennpunkte München, Berlin und Heidelberg. Es sei daher falsch, Berlin mit Bayern zu vergleichen – oder mit der viel kleineren Universitätsstadt Hamburg.

Die politische Klasse Berlins deute die Zeichen der Zeit falsch, sagt der Leiter des Konrad-Zuse-Zentrums für Informationstechnik in Berlin, Peter Deuflhard. So schotteten sich derzeit die führenden amerikanischen Wissenschaftler in der High-Tech-Entwicklung von der übrigen Welt ab, weil ihre Forschung auch rüstungsrelevant sei. Dieser Abschottung könne man nur begegnen, wenn auch in Europa Wissenschaftler in der High-Tech-Branche an der Spitze stünden und in der weltweiten Konkurrenz etwas zu bieten hätten. Solche Spitzenwissenschaftler gebe es in der Region Berlin Brandenburg – deren Arbeit dürfe nicht durch eine falsche Sparpolitik zerstört werden. Es dauere mindestens eine Generation, um ein Forschungszentrum aufzubauen, aber man könne es schnell zerstören. Wenn Berlin wie das Kaninchen auf die Schlange nur auf den Schuldenberg starre, „wird es gefressen werden“. Die Stadt müsse sich im Interesse ihrer Zukunft jedoch fragen, welche Aktivposten sie aufzuweisen habe. Und diese seien angesichts der schwachen Wirtschaft in der Stadt allein in Kultur und Wissenschaft zu finden. Wovon wolle Berlin noch leben, wenn es den Abbau seiner Schulden erledigt habe, fragte Deuflhard.

Im Gegensatz zur Initiative „An morgen denken“, in der sämtliche Universitäten und staatlichen Fachhochschulen der Stadt sowie führende Wirtschaftsunternehmen wie Siemens, Schering, DaimlerChrysler, die Bundesbahn und IBM sowie die Industrie- und Handelskammer vertreten sind, lässt die neue Initiative die Wirtschaft außen vor. Sie konzentriert sich dafür auf die Vertretung der Forschungsinstitute in Berlin und Brandenburg, darunter die Max-Planck-Gesellschaft, die Fraunhofer Gesellschaft, Großforschungseinrichtungen der Helmholtz Gesellschaft und der Leibniz Gemeinschaft. Dazu kommen die Akademie der Wissenschaften in Berlin und Brandenburg und der Forschungsverbund Berlin.

Informationen im Internet unter:

http://www.fv-berlin.de/fvwsz.htm

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