Gesundheit : „Manchmal kommt es zu Erblindungen“

Charité-Augenspezialist Hartmann zu Risiken von Kontaktlinsen

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In den letzten Jahren ist es richtig einfach geworden, sie zu kaufen: EinTages-Linsen, die man nach Gebrauch wegwirft. Und Monatslinsen gibt es in Drogeriemärkten und von 50 verschiedenen Anbietern auch im Internet. Die Augenärzte sehen den Boom mit Sorge. Ein Gespräch mit Christian Hartmann von der Berliner Charité.

Herr Professor Hartmann, ein junger kurzsichtiger Student hat meist nicht viel Geld. Spricht etwas dagegen, dass er bei der Sehhilfe spart und seine Kontaktlinsen gleich im Internet bestellt?

Dagegen spricht, dass Anpassung und Kontrolle fehlen. Ob die Linse passt, kann ein Augenoptiker sehen. Auch die Anpassung durch einen Augenoptiker allein halte ich aber für nicht vertretbar. Denn nur der Augenarzt kann vorbestehende Veränderungen an der Hornhaut erkennen, die zu Komplikationen führen können. Auch später ist es wichtig, regelmäßig zum Augenarzt zu gehen: Alle weichen Kontaktlinsen, die längere Zeit getragen werden, führen zu Hornhautveränderungen bis zur Trübung. So kann es zu unbemerkten Einsprossungen von Blutgefäßen in der eigentlich gefäßlosen Hornhaut kommen. Durch Sauerstoffunterversorgung kann sich außerdem die Rückfläche verändern, und deren Zellen sind entscheidend dafür, dass die Hornhaut transparent bleibt.

Monatslinsen gibt es schon sehr preisgünstig. Was ist von ihnen zu halten?

Wenn sie nicht ganz sorgfältig gepflegt werden, kann es große Probleme geben: Wir haben in unserer Klinik immer wieder Patienten mit sehr schweren Hornhautentzündungen und -geschwüren. Teilweise waren Hornhautverpflanzungen nötig, es kam sogar zu Erblindungen. Und das alles wegen schlechter Handhabung und Pflege solcher Monatslinsen. Deshalb: im Zweifelsfall lieber die teureren Tageslinsen verwenden.

Wie oft muss man dann zum Augenarzt?

Wer vorsichtig ist, sollte in den ersten Tagen kommen. Wenn dann keine Schwierigkeiten auftreten, reicht es, in mehrmonatigen Abständen zu kontrollieren. Wer die Linsen nicht mehr als zwölf Stunden trägt, dem kann man dann grünes Licht geben.

Und die harten Linsen? Sind sie aus dem Spiel?

Keineswegs. Die neue Generation harter Linsen ist im Tragekomfort viel angenehmer geworden. Ein Versuch könnte sich lohnen. Harte Linsen sind sauerstoffdurchlässig und können Jahre bis Jahrzehnte getragen werden. Und wenn unter einer harten Linse ein Geschwür entsteht, merkt man das, während sich unter einer weichen ganz üble Krankheitskeime entwickeln können. Die weiche Linse wirkt dann wie ein Verband, unter dem man nichts merkt.

Das Gespräch führte Adelheid Müller-Lissner.

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