Gesundheit : Maul- und Klauenseuche: MKS in England - die Rache Saddam Husseins?

E. G.

Könnte der Irak bei der gegenwärtigen MKS-Epidemie in Großbritannien seine Hände im Spiel gehabt haben? Die Montag angestellten Mutmaßungen der "Bild"-Zeitung sind vorerst noch reine Spekulation. Aber tatsächlich hatte sich der Irak ja spätestens nach seinem Überfall auf Kuweit als ein Staat erwiesen, der in großem Umfang auch biologische Kampfmittel entwickelt, produziert und sogar munitioniert hatte.

Mindestens sechs Forschungs- und Produktionseinrichtungen wurden dafür genutzt, einschließlich eines Betriebes in al Dawrah, der offiziell der Herstellung von Impfstoff diente, von Impfstoff gegen die Maul- und Klauenseuche. MKS-Viren selbst standen dabei allerdings offenbar nicht mit auf dem Biowaffen-Programm, wohl aber die Erreger von Gasbrand, Gelbfieber, Hämorrhagischem Krim-Kongo-Fieber, Milzbrand, Kamelpocken, Tularämie (Hasenpest) und weiterer Infektionskrankheiten sowie Botulinus-Toxin und verschiedene Pilzgifte.

Scott Ritter, der ehemalige Chefinspektor von Unscom, der UNO-Mission zur Untersuchung der irakischen Massenvernichtungswaffen, hat behauptet, der Irak sei immer noch in der Lage, biologische Kampfmittel zu produzieren, zu munitionieren, zu lagern und einzusetzen. Außerdem verfüge der Irak über eine bewegliche Einrichtung zur Produktion von Biowaffen und habe im Jahre 1995 zum Teil tödlich verlaufene Experimente mit etwa 50 Gefangenen angestellt, in denen die Wirksamkeit biologischer und chemischer Kampfmittel erprobt worden sei.

Ein daraufhin im Januar 1998 in den Irak gesandtes Inspektionsteam fand dafür jedoch noch keine Beweise. Weitere Überprüfungen von Ritters Angaben waren seitdem nicht möglich, weil sich die irakische Regierung 1998 weigerte, weitere Unscom-Missionen zuzulassen. Wie "Bild" nun berichtet, könnten sich irakische Agenten den MKS-Erreger aber auch in dessen mutmaßlicher Herkunftsregion in Asien beschafft haben. Oder sie könnten MKS-Erreger im britischen Institut für chemische und biologische Verteidigung in Porton Down geklaut haben. Dort vermisse man angeblich seit einiger Zeit ein Röhrchen mit MKS-Viren.

Solche Spekulationen sind nicht ganz von der Hand zu weisen, zumal Großbritannien neben den USA zu den engagierten Verfechtern der Aufrechterhaltung der Sanktionen gegen den Irak zählen und auch an den Luftschlägen gegen irakische Radar- und Luftabwehrstellungen beteiligt waren. Das Vereinigte Königreich steht deshalb ganz sicher im Visier von Saddam Husseins Militärs und von den Geheimdienstlern. Ob sich aber nachweisen lässt, inwieweit die jetzt geäußerten Mutmaßungen gerechtfertigt sind oder nicht, ist sehr fraglich.

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