Gesundheit : Medienkompetenz statt Zensur

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„Counterstrike" ist seit dem Amoklauf von Erfurt als multimediales „Teufelswerk" in aller Munde. Doch der Medienwissenschaftler Lothar Mikos von der Filmhochschule „Konrad Wolf" in Babelsberg ruft zur Besonnenheit auf. Er meint, Gewaltdarstellungen in den Medien könnten nicht ursächlich für die zunehmende Aggression bei Jugendlichen verantwortlich gemacht werden. Paradox bleibe in diesem Fall schließlich, dass die Zahl der schweren Gewaltverbrechen seit Jahren sinke, während die Animationen in Computerspielen und Horrorvideos immer realistischer würden.

Seit mehr als zehn Jahren forscht Mikos zu Gewaltdarstellungen in Medien und deren Folgen. Er kommt zu dem Schluss, dass eine Gewöhnung an Gewalt nur begrenzt stattfindet. Vielmehr pflegten jugendliche Mediennutzer einen viel differenzierteren Umgang mit Gewaltthemen. Mikos weist in der Zeitschrift „tv diskurs" darauf hin, dass real erlebte Gewalt im Alltag oder in den Nachrichten die Jugendlichen mehr berühre als die fiktionale Gewalt von Computerspielen. „Verbote und Zensur sind ein falsches Signal", so Mikos. Wirklicher Jugendschutz müsse durch „Erziehung zur Medienkompetenz“ bereits im Kindergarten beginnen. Lehrer, Politiker und Eltern sollten sich zudem an der Diskussion über Zukunftschancen und Perspektiven der Jugendlichen beteiligen. Dabei dürfe nicht nur über Gewaltdarstellung in Medien, sondern vor allem über die Ursachen der Aggression geredet werden. jvm

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